auf dvd: Schwanensee
Immer wieder hat sich Heinz Spoerli auf «Schwanensee» eingelassen. Sein dritter Versuch aus dem Jahr 2005 ist das Ergebnis einer fast lebenslangen Beschäftigung. Beweist sich nicht gerade im Weglassen seine Kunst? Zürichs Ballettdirektor gelingt es, das Stück heutig erscheinen zu lassen, ohne seine Historie zu relativieren. Letztlich erzählt auch Spoerli «nur» eine Geschichte, doch im Verzicht auf alles Anekdotische geht er den Emotionen wirklich auf den Grund.
So kann es geschehen, dass der Prinz gleich in doppelter Hinsicht ein blaues Wunder erlebt: nicht bloß, weil Martin Gebhardt das ästhetische Ambiente Erich Wonders entsprechend herausgeleuchtet hat, sondern weil ihn seine Liebe überwältigt. Dieser Siegfried geht am Ende bewusst ins Wasser – und Spoerli findet für den Schluss eine szenische Lösung, die alles Äußerliche, alles Zeitliche völlig zum Verschwinden bringt. Nicht zufällig wirkt dieser «Schwanensee» symphonischer als andere Aufführungen.
Das mag zu großen Teilen an Vladimir Fedoseyev liegen, der das Züricher Opernorchester entsprechend motiviert. Das hat aber sicher auch mit einem Corps de ballet zu tun, das sich ganz der Musik ergibt. Umso poetischer, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Notquartier als «Nachtasyl»: Dorin Gals Bühne nimmt in Dessau Maxim Gorki beim Wort und platziert die «Szenen aus der Tiefe» in einem Schwimmbad, das schon mal bessere Tage erlebt haben muss. Die Gestrandeten sitzen auf dem Trockenen, wenn sie nicht gerade Amok laufen. Ohne Ausweg scheint ihr Dasein, obwohl es Fluchtmöglichkeiten bietet. Ein paar Sprossen die...
Da kann die Stationswärterin im grauen Kostüm pfeifen, so schrill sie will, die Burschen springen trotzdem über die Absperrung, um sich die Kopeken für die Metrofahrt zu sparen. Ihre Choreografie geht so: Heranschlendern, Kurzsprint, Satz über die Sperre. Eine akrobatische Einlage, aber keiner guckt hin. Niemand applaudiert.
Im Theater verhält sich der Moskauer...
Keiner spielt mit so vielen Frequenzen, Umdrehungen, Amplituden wie Itzik Galili. Diese Saison war für ihn: die endgültige Vereinigung mit der Dansgroep Amsterdam und der großen niederländischen Mutter der Moderne, Krisztina de Châtel. Sie war ein Karneval mit dem Balé da Cidade de São Paulo, um das diesjährige Festival «Steps» in Winterthur zu eröffnen und das...
