Hans Henning Paar: «Les autres»
Man kann sich lebhaft vorstellen, was Johann Kresnik aus diesen Thema gemacht hätte. Warum er hat es nur nie aufgegriffen für sein Choreographisches Theater? Der homosexuelle französische Schriftsteller Jean Genet, ungeliebt aufgewachsen bei Pflegeeltern und bereits mit fünfzehn Jahren wegen Diebstahls im Knast, bringt doch alle Ingredienzen für eine weihrauchumwölkte Bühnenorgie aus Blut, Sperma und Kot mit.
Auch Genets Leben und Schreiben gibt was her: Seine negative Glaubenslehre gipfelt im Mord als ultimativem anarchischen Akt; das Verbrechen heiligt den Verbrecher als Exekutive einer unveränderlichen Gesellschaft, die ihm diese Rolle auferlegt. Das Böse trägt die Amoral wie eine Monstranz vor sich her. Aber der Choreograf, der diesen Reigen aus Sex, Gewalt und literarisch mit Symbolen überfrachteter Monstrosität auf die Bühne brachte, heißt Hans Henning Paar. Er ist, einst Stipendiat der Heinz-Bosl-Stiftung, dann Ballettdirektor an wechselnden Orten in der deutschen Provinz, nun aus Braunschweig kommend, der neue Tanztheaterchef am Münchner Gärtnerplatztheater. Seine Kompanie, die so neu ist, das sie erst noch zu einer solchen zusammenwachsen muss, heißt jetzt ...
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Er tanzte als Halbsolist an der Berliner Staatsoper und als Solist bei Maurice Béjart, wurde mit dem John-Neumeier-Stipendium gefördert, studierte an dessen Schule, absolvierte eine Choreografenausbildung in New York, wo er auch eine eigene Gruppe gründete. Technisch steht er also sicher auf zwei Beinen, um in seiner zweiten Spielzeit als Tanzdirektor in Kassel...
Kann Dermatologie poetisch sein? Daniela Kurz sieht keinen Grund, das nicht zu untersuchen. Die Versuchstiere: drei abgestürzte Fallschirmspringer. Wie Schmetterlinge im Spinnennetz hängen sie in ihren Seilen, aufgespießt von Blicken, und zappeln zum zirpenden Gesang von Paul Gigers Violine sowie dem Trillern von Marie-Louise Dählers’ Cembalo. Ende des Prologs,...
Ansgar Haag, ab nächster Spielzeit unterstehen Meiningen und Eisenach Ihrer Intendanz: eine Theaterfusion, von der ausnahmsweise mal die Tanzsparte profitiert. Sie wird aufgestockt. Halt. Bei der Theater-Ehe handelt es sich nicht um eine Fusion, sondern formaljuristisch um eine Kooperation in zwei Stufen. Zunächst bleiben beide Theater noch völlig getrennt, das...
