Newcomer
Poppy N heißt dieser sehr junge Tänzer, ein kleiner, nur etwa hüfthoch gebauter Kerl. Da steht er, beim «State Festival Berlin», inmitten von Akademikern, die sich mit Emotionsforschung und künstlicher Intelligenz beschäftigen. Sein Schöpfer Théo Segonds vom Institut für Computerwissenschaft INRIA in Bordeaux kennt ihn seit fünf Jahren. Die Intelligenz des Schützlings entspricht aber eher der eines Zweijährigen.
Laufen kann er schon. Bemuttert wird er in seiner ersten Performance «Poppy N+Z» von der taiwanesischen Tänzerin Bi-Jia Yang.
Sie schützt ihn mit einer goldenen Decke, die an lebensspendendes Protoplasma erinnern soll. Poppy N schmiegt sich an Yang, dann entwickelt er Neugier. Staunend verfolgt er den Vortrag des Philosophen Ludovic Duhem. Dann hebt er Arme und Beine, lässt mal seine Gliedmaßen, mal seinen ganzen Körper vibrieren und dreht sich um die eigene Achse. Ja, er tanzt. Aber die Rede des Philosophen interessiert ihn nicht. Er achtet vielmehr auf insgesamt vierzig Phoneme, die die Choreografin Emmanuelle Grangier und der Computerwissenschaftler Théo Segonds je einer bestimmten Bewegung zuordnen. Weil Duhem seine Rede improvisiert, muss Poppy N ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Persönlich, Seite 32
von Tom Mustroph
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