Krisztina De Châtel: «Giubileo»
Bahne mir den Weg an den leuchtenden Brunnen auf der Spuiplein vorbei ins Lucent Dans Theater von Den Haag. Hier werden sagenhafte drei Jahrzehnte einer unerschrockenen Dame des Tanzes gefeiert. Fleischberge türmen sich im Theater vor älteren Tanzkennern auf. In einer Plexiglasröhre steht ein Tänzer. Zwischen Videoinstallationen wandeln Performer in elisabethanischer Königinnenrobe, Arien auf den Lippen. «Giubileo», das ist nicht nur Vermächtnis. Ihr Jubiläum ist auch das Testament der hier gefeierten Krisztina de Châtel.
Ihr Werk war immer ein Katalysator und eine unerhört anregende Quelle für Neuerungen. Sie nährt den Appetit, neue Einfälle zu wagen. Schon deshalb begleitet eine ihrer frühen Choreografien diese drei Premieren: Michele Poglianis «The Arena Love», Stephen Shropshires «Worth» und ein eigenes neues Stück, «Kalota».
Dieser Abend ist explosiv. Poglianis Werk sieht auf den ersten Blick aus wie MTV auf Speed und Steroiden. Er geht ins Hirn, dieser exzentrische Pastiche aus Vivaldi und Gesampletem und setzt tierische Energie frei. Hier führt rohe Sexualität Krieg gegen unsere zensurierende Natur, die sich so gern am geistigen Brunnen von Fantasie und Begehren labt – um ...
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