unisono
«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst auch träumt. Das wär’s doch: im besten Fall. Der schlimmste dagegen ist demagogischer Missbrauch: die Machtdemonstration.
Er kommt im Gleichschritt auf der politischen Bühne daher, wenn Zigtausende im Einklang den Arm heben, die Hand an die Schläfe legen und marschieren. Was ist Identität, wie viel zählt ein Individuum?
Es gibt auch ein statistisches Unisono, in dem nur die Masse zählt, der Einzelne nichts. Es gibt ein romantisches Unisono im Corps de ballet, als ein Reigen der Tutus. Aber was empfinden 50 Ballerinen, wenn sie gemeinsam einknicken? Sind sie glücklicher als 1500 Häftlinge einer philippinischen Strafanstalt, die zu Michael Jacksons «Thriller» eine Massenchoreografie mit dem «Peace»-Symbol beenden und sich dabei als Personen erleben und durch die Gemeinschaft leben? Mit Sicherheit nehmen sie mehr Emotionen mit ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Thomas Hahn
...wird entgegen erster Dementi nun doch 2012 Ballettdirektorin am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Die US-Amerikanerin tritt damit die Nachfolge von Bernd Schindowski an, der das Ballett 33 Jahre lang leitete. Breiner lernte unter anderem an der Heinz-Bosl-Stiftung in München. Ihr erstes Engagement führte sie ans Bayerische Staatsballett, 1996 wurde sie...
Die Mutter ist immer dabei, folgt der Tänzerin wie ein Schatten, wohin sie auch geht, also meist in den Ballettsaal. Zwischendurch steht «La petite danseuse de Degas», eigentlich Marie van Goethem, auch jenem Künstler Modell, der sie nicht eben uneigennützig auf seinen Sockel stellt. So, wie ihn Benjamin Pech verkörpert, könnte man ihn für jemanden halten, der...
Betritt man die Kammerspiele des Staatstheaters, lungern da Tänzerinnen am Bühnenrand und lassen müde Blicke schweifen. Erst später werden sie scharf gestellt und in die immer wieder matt beleuchtete Zuschauermenge gebohrt. Es geht bei «Blind Date» ums Gegenteil von Blindsein: ums Sehen. Ein verzerrtes Sehen.
Die Choreografin Mei Hong Lin will auch mehr als das...
