Brüllen wie die Tiere
59. Festival d’Avignon. Am Eröffnungstag sitzt der Kulturminister ganz vorn im Ehrenhof des Palais des Papes, um sich den neuen Fabre anzusehen. Die seit zwei Jahren gegen den Abbau ihrer Arbeitslosenversicherung protestierenden Künstler haben Karten für die hintersten Ränge ergattert, rufen von dort: «Minister raus!» Er geht nicht. Die Protestler brüllen weiter. Fabre und Festivalleitung bitten, jetzt doch die Künstler sich ausdrücken zu lassen. Und was machen die? Brüllen.
«L’histoire des larmes» beginnt, nach ein paar Harfenklängen, mit Babygeschrei aus neun trainierten Kehlen. Das Protestbrüllen von hinten geht larmoyant unter. Von diesem Fiasko erholen sich die um ihre Rechte kämpfenden Intermittents, die vor zwei Jahren das Festival an den Rand des Abgrunds brachten, nicht mehr. Es war ihr erster und letzter Nadelstich.
Alle freuen sich, dass das Festival wieder Charakter hat, in diesem Jahr einen flämischen. Und alle langweilen sich in Flanderns Aufführungen. Fabre lässt die «Babys» schreien, bis die andere Hälfte, deren Eltern spielend, mit Kissen und Füßen und anderen Schlägen um Ruhe kämpft. Als diese endlich eintritt, offeriert er das Unerwartete: erbauliches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Begriff Entschleunigung, der schon abgedroschen war, bevor er in Mode kam, trifft es nur oberflächlich, was Rosemary Butcher macht. Sie zelebriert Kargheit und Repetition als Alternative zu Redundanz und Beschleunigung. Sie arbeitet dabei mit zwei Elementen, die unserer Zeit widersprechen: der Verlangsamung und der Verdichtung. Weil sie beim strukturellen...
Ein Walzer von George Balanchine gefällig, ein Lied von Serge Diaghilew? Lera Auerbach macht’s möglich. Auf der CD «Tolstoy’s Waltz» hat die Pianistin und Autorin aus der ehemaligen UdSSR ein paar Raritäten eingespielt, wahre Preziosen. Der «Valse lente» von Mr. B. beispielsweise, den er Madeleine Malraux verehrte: «Balanchine komponierte ihn relativ spät in seinem...
Adam Cooper has been a star in Japan, famous for his superb dancing with English Royal Ballet, since his first charismatic appearance in Matthew Bourne’s “Swan Lake” AMP version. He has performed principal roles in Japan in “On Your Toes” and Matthew Bourne’s “Play Without Words.” Several years ago, the huge success of Bourne’s performances here inspired a...
