Béjart Ballet Lausanne: «Le Tour du monde en 80 minutes»
Maurice Béjart gehörte in Lausanne zu Weihnachten wie Eier zu Ostern. Im Advent pilgerte man gern zu seinen immer ausverkauften Vorstellungen, trank in der Pause ein Glas Champagner. Jedes Jahr ein neues Stück, das war sein Geschenk an die Stadt, seine Heimat seit 1987. Diesmal ist alles anders: der Maître starb vier Wochen vor der Uraufführung. Im Théâtre de Beaulieu ist die Stimmung geladen: «Le Tour du monde en 80 minutes» ist des Meisters letztes Werk. Seine Stimme ist zwar präsent, sie untermalt zwei Szenen. Er aber fehlt.
1800 Zuschauer fühlen sich einsam, trotz frenetischem Applaus. Japanische Fernsehleute filmen nach der Vorstellung weggewischte Tränen.
«Sein Schatten weilte unter uns», tröstet am Tag danach die regionale Tageszeitung. Und der Zürcher Tages-Anzeiger, der sonst der Westschweizer Kultur kaum eine Zeile widmet, titelt: «Maurice Béjarts wunderbares Restemenü». Nun, Reste können sich ja unter den Händen geschickter Kochkünstler in wunderbare Mahlzeiten verwandeln. Hier wirken jedoch die verschiedenen Tableaux aufgewärmt – sowohl im besten als auch im schlechtesten Sinn des Worts. Von den zwölf Bildern (jedes ist einem Land gewidmet) sind nur einige wenige von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das eigene Ego: Privatsache. Konsequent verweigert Anton Adassinsky jede Auskunft über sich. Auf der Website seiner Kompanie findet sich unter dem Stichwort «Leben in Daten» denn auch nicht seine Biografie, wie man erwarten sollte, sondern jede Menge Wissenswertes über Derevo. Adassinsky stammt aus dem sibirischen Krasjonarsk, ging in frühen Jahren in Leningrad in...
In «Sonntags-Abschied» steckt Abschied. Es ist etwa zwei Jahre her, dass Karlheinz Stockhausen mir einen Brief schrieb: «Ich muss Ihnen etwas zeigen.» Das war einige Jahre nachdem er mir erlaubt hatte, ein Stück zu seinem «Helikopter»-Quartett zu kreieren. Er empfing mich in seinem Studio und spielte mir «Sonntags-Abschied» vor. Es war wie der Gesang der Sirenen...
Es gibt Tänzer, die sind Schauspieler, zerkauen schmatzend die Sprache: «I am the King with one leg on the ground, my other leg is floating towards the planet earth.» Eine gefühlte Stunde später rammt eine Ballerina, Tijen Lawton, ihren vertikalen Spagat so gestreckt in den Himmel und damit tief in die Erde, auf so spitzer Spitze, zeigt dazu mit dem freien Finger...
