violet
Mal so richtig bedeutungslos sein – auch das kann ein Künstlertraum sein. Mal nichts anklagen, aussagen, bloßlegen. Abstraktion lautet darum das Ideal für Meg Stuarts neues Stück «Violet». Oder: engagierte Sinnlosigkeit. Das hyperaktive Nichts. Die pure Bewegung wird skelettiert, ohne Fleisch von Ausdruck und Erzählung. Ausgerechnet Meg Stuart. Ausgerechnet ihr Zitter-Zappel-Zuck-Stil als symbol-befreite Ausdruckslosigkeit? Krämpfe, Spasmen, Tics bis zum Kollaps als eine nun emotionslose Theorie? Ausweglos sein – das hat Meg Stuart besonders interessiert.
Eine meterhohe schwarze, leicht gebogene Plastikwand von Bühnenbildnerin Janina Audick begrenzt den Hintergrund. Die Wand glänzt wie Latex und spiegelt manchmal schemenhaft und verzerrt die Tänzerkörper. Vor ihr stehen drei Männer und zwei Frauen in Alltagsklamotten von erlesen schlechtem Geschmack: hautenge Hosen, verwaschene Shirts; einer trägt weiße Turnschuhe, ein bisschen wie die H&M-Punks aus dem Vorjahr. Ein bisschen ist es auch wie eine Reminiszenz an die Stuart’schen Anfänge, als sie mit cooler Trash-Ästhetik, mit dem Abgewrackten und Kaputten, neue Trends im zeitgenössischen Tanz setzte. «Disfigure Study» hieß vor ...
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Tanz August/September 2011
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Nicole Strecker
Sein erstes Gastspiel als «freier Choreograf» führte ihn nach Baden-Baden. An der Oos begegnete Roland Petit zum ersten Mal Georges Bizets Oper «Carmen». Noch während der Ouvertüre sagte sich der junge Mann: «Daraus mache ich ein Ballett» und verließ überstürzt das Theater. In der Bibliothek der französischen Militärregierung fand er den Text, und die ganze Nacht...
Wellness ist ein bitteres Wort. Es bezeichnet jene ausgesparte Zeit, die man dem eigenen Wohlbefinden widmen muss, weil es sonst ja nicht stattfindet. Auch Kunst soll Wellness sein, uns wie sonst Öle und erprobte Finger in einen Zustand versetzen, in dem jeder Widerstand zwecklos wird. Gebt euch hin! Das ist ein Imperativ.
Kattrin Deufert und Thomas Plischke haben...
«Die Rhythmische Gymnastik ist kein ‹neuer Tanz›. Aber aller Tanz beruht auf Rhythmik», war in der Gründungspublikation der Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus 1910 zu lesen. In der rhythmischen Erziehung sah man die Rettung der Tanzkunst, nur aus ihr, hieß es, könnte der künstlerische Tanz wiedergeboren werden, denn der sei zu Technik und Akrobatik verkommen....
