Rituale: Sasha Waltz
Der Kreis oder «Circle», den wir kurz vor jeder Aufführung bilden, ist ein Ritual, das wir nie überspringen. Wir kommen dicht zusammen, stehend, halten uns an den Händen, um die Schultern oder Hüften. Verbinden uns über die Berührung. Wir schauen uns in die Augen, erspüren, wie es den anderen geht und beschwören in uns ein gemeinsames, energetisches Gefühl herauf. Die Tänzer*innen sind zu diesem Zeitpunkt schon vom Aufwärmen verschwitzt, manche sind schon im Kostüm, andere noch nicht.
Wann und wo wir den Kreis formen, variiert, normalerweise ist es aber 15 Minuten vor Aufführungsbeginn und damit kurz vor dem Einlass des Publikums. Manchmal bilden wir den Kreis im Backstage-Bereich, aber am liebsten auf der Bühne, um sie mit Energie aufzuladen. Wir nehmen auch Sänger*innen oder den/die Dirigent*in mit in den Kreis, wenn sie möchten. Ich sage im Kreis ein paar Worte oder halte auch eine Rede, je nachdem, wie inspiriert ich bin. Oft überlege ich mir tagsüber schon, was ich abends im Kreis sagen könnte. Manchmal ist es einfach spontan. Es kann eine Referenz sein, die die Tänzer*innen während der Aufführung im Hinterkopf behalten sollen. Zum Beispiel eine politische Referenz oder ein ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 18
von
Wer Qfwfq nicht kennt, muss nicht in Panik geraten. Jedenfalls nicht sofort. Auch Karin Pauer ist nicht wirklich vielen ein Begriff. Aber das kann noch werden. Die Tänzerin und Choreografin ist auch deutlich jünger als Qfwfq, der – seinem Schöpfer Italo Calvino zufolge – so alt ist wie das Universum selbst.
Pauer lebt in Wien, und sie hat einen von Qfwfqs...
Anne Teresa De Keersmaeker, Sie haben unlängst in einem Vortrag am Pariser Collège de France Erstaunliches über ihr Verhältnis zur Musik preisgegeben. Sie sagten: «Die Musik war mein erster Partner, ja sogar mein erster Meister.» Ferner betonten Sie, dass Sie nicht nur in einen Dialog mit der Musik treten, «da es sich schließlich um eine Liebesgeschichte handelt»....
ich habe keinen talisman. ich habe auch kein kontinuierliches ritual. es gibt jedoch gedanken, die oft hochkommen, kurz bevor ich auf die bühne gehe. ich denke an meine grossmutter, die schon lange nicht mehr lebt, an ihre energie und lebensfreude, ihren blick, wie sie mich und meine ersten tanzversuche im wohnzimmer am attersee beobachtet hat und so glücklich war,...
