Dressed To Kill
Schwarze
sind oft wenig vermögende Männer. In Südafrika tragen sie tagsüber den Blaumann und setzen Motoren zusammen. Sie verdingen sich im Kittel als Gärtner, in Fantasie-uniformen als Kellner oder in schlecht sitzendem Leinen als Hilfspolizisten. Nichts degradiert sie vierzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid mehr als diese Uniformen. Die nur zu offensichtliche Kennzeichnung als Diener trennt heute Arm von Reich mehr als die Hautfarbe.
Und wovon träumt so ein Mann, wenn er abends seinen Overall auszieht? Er wird sich nicht kleiden wollen wie sein Herr.
Er wird träumen: von wirklicher männlicher Schönheit, jenseits der mausgrauen Unauffälligkeit der Weißen und ihrer lässigen Ignoranz von Chic. Der weiße Mann bezeichnet seine Kleidung gern als «casual». Was aber soll einer, der sich «ungezwungen» gar nicht fühlen kann, diesem Modeideal entgegensetzen? Akkurate Schönheit. Ein echtes Mannsbild sein. Auch ein wenig die Karikatur des weißen Mannes darstellen.
Darum trägt Simon Khoza heute Abend einen schneeweißen Anzug. Eine rasiermesserscharfe Bügelfalte. Ein knallblaues Seidenhemd. Falsche Brillanten an den Fingern. Er ist eine Wucht von Selbstachtung. Mit dieser Klamotte ist vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Li Wei
der 1970 geborene und in Beijing lebende Künstler, hat riesigen Erfolg auf dem internationalen Kunstmarkt. Ähnlich wurde nach dem Fall der Mauer auch die Neue Leipziger Schule berühmt. Man kaufte und sammelte die einfache Lesbarkeit des bis dato Fremden, die Rückkehr des «Realismus», das Unverrätselte der Kunst. Die DDR, Schlupfwinkel der Andeutung, schien so...
ist nicht so einfach. Als Großbritanniens Reichtum mit einer Rate von zwei Prozent anwuchs, nannte man das die industrielle Revolution. Als Deutschland um drei Prozent reicher wurde, taufte man es das Wirtschaftswunder. China wächst um acht Prozent pro Jahr. Die Werkbank der Welt empfängt die höchsten Investitionen auf einem Boden, von dem man annimmt, dass viel...
Mit uralten Augen in die Welt zu sehen, um im Nebel der Gegenwart die Orientierung zu finden: diese Verse sind wie ein Versprechen. Man denkt an das Gewicht dieser Welt. Und ahnt auch gleich etwas von jener spirituellen Zielrichtung, die der Choreografie «Women of the World» anhaften muss: eine Koproduktion der Beijing Modern Dance Company mit anoukvandijk dc aus...
