zürich: Thomas Hauert «You’ve changed»
Eine Aufführung einfach sympathisch zu finden, ist eigentlich das Schlimmste, was man über sie sagen könnte. Genau dieses Gefühl aber hat «You’ve changed» von Thomas Hauert nach seiner Premiere in Lissabon hinterlassen. Tänzer, frei von geschlechtlicher Zuschreibung, sind mit frei fließenden Bewegungen auf der Bühne unterwegs, während dieselben Tänzer noch einmal deutlich zeitverzögert auf einer Leinwand zu sehen sind. Hauert misst diesem Widerstreit von realen und gefilmten Tänzen nur wenig Konkurrenz zu.
Er mindet sie allein dadurch, dass er entgegen des Trends eines immer virtuoser werdenden zeitgenössischen Tanzes das rohe, einprägsame Bewegungsidiom bevorzugt.
Tanz ist hier, was er ist: ohne tiefere Bedeutung. Nirgendwo birgt er ein Bild, allenfalls eins der Zerbrechlichkeit. Trotz oder wegen der Projektion finden wir die Tänzer dem Raum wie ausgeliefert.
Ratlos wird der Betrachter dadurch nicht. Die Tänzer werfen schematisch wirkende Bewegungen in den Raum, lassen aber untereinander keinerlei Verbindung erkennen. Die Vervielfältigung der Bewegungen über die Leinwand suggeriert weder einen Anschein von Masse, wie es etwa in «Accords» der Fall war, noch hat sie einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
wie der Tanz ist, könne er Gefühle doch weit umstandsloser ausdrücken als jede Beschreibung. Das Wort durch die Tat zu ersetzen, das war in jeder Blütezeit des Tanzes sein stärkstes Argument. Als vor zweihundert Jahren der Tanzreformer Jean Georges Noverre starb (Seite 56), hatte man begonnen, literarische Meisterwerke in Tanz zu übertragen, in einer Zeit, die dem...
Ein kollektives Coming-out von solcher Kraft hatte man in Avignon noch nicht gesehen. Nach diskreten Vorstellungen in der belgischen Heimat ließen Alain Platel und der Regisseur Franck Van Laecke ihre Bombe in der Provence so richtig knallen. Da gibt Vanessa Van Durme die Zeremonienmeisterin in ihrem Kabarett der verflossenen Träume und bringt eine Riege seriöser...
ist wieder da. Darmstadt hebt am 5. November seine «Ulrike Meinhof» in den Spielplan, eine widerborstige Kritik an Deutschlands Umgang mit dem damals so getauften Terror. In Cottbus tritt er wieder selbst an, zum 225. Geburtstag des Fürsten von Pückler-Muskau, dessen «Pückler-Eis» jedes Kind kennt. Seine Schlösser und Parks in Bad Muskau und Cottbus-Branitz, seine...
