Edinburgh on tour: Helen Pickett «The crucible»
Man hatte diese Premiere beim «Edinburgh Festival» Anfang August mit Spannung erwartet: «The Crucible» – zu Deutsch «Hexenjagd» –, Arthur Millers weltbekanntes Theaterstück von 1953, sollte einen Höhepunkt in der Jubiläumsspielzeit des Scottish Ballet bilden, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Millers 1692 während der Hexenprozesse in der amerikanischen Kleinstadt Salem, Massachusetts angesiedeltes Drama kreist um die existenziellen Themen Fanatismus, Manipulation, Machterhalt und Rache, ist also schon deshalb ein hochaktueller Dauerbrenner.
Als Stoff für die Ballettbühne ist es durchaus geeignet: dank viel dramatischer Substanz, linearer Plots und psychologischer Vitalität. Und doch wurden die hohen Erwartungen nicht wirklich erfüllt, weil es an charakterspezifisch ausdifferenziertem Bewegungsmaterial mangelt.
Den erwartungsgemäß finsteren, unheilschwangeren Grundton der Produktion setzt die suggestive Lichtregie von David Finn, die den Darstellern im minimalistischen Bühnenbild zwischen Kirchenkreuz und Wald durchgängig lange Schatten anheftet. Auch die historischen Kostüme von Emma Kingsbury wirken bedrückend, weil sie die Kluft zwischen Bürgern und Klerus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2019
Rubrik: Kritik, Seite 54
von Justine Bayod Espoz
Am Ende sagt die Mutter, es sei ihr egal, ob sie einen Sohn, eine Tochter oder eine Kakerlake geboren habe. Es sei ihr egal, denn ihr gehöre die Zukunft nicht. Die Tochter antwortet: «Was für dich keine Konsequenzen hat, wird mir mein Grab graben / Was dir Freude bereitet, wird die Quelle meines Leidens sein / Was du dir nicht vorstellen kannst, wird mein tägliches...
Zwei Jahre, dann hatte Silvana Schröder die größte Klippe umschifft. Und die hieß: Yoko Ono. Wer einen Abend über John Lennon machen will, kriegt es auf jeden Fall mit der Witwe des Ex-Beatle zu tun, die sehr genaue Vorstellungen davon hat, was sie sehen will und was nicht. Im zweiten Anlauf hat Schröder, Direktorin des Thüringer Staatsballetts, die streitbare Yoko...
Über 20 Jahre lang war sie die große Identifikationsfigur beim Niederländischen Nationalballet – das, was Darcey Bussell für England oder Roberto Bolle für Italien bedeuten. Igone de Jongh, Erste Solistin bei Het Nationale Ballet in Amsterdam und eben im September 40 Jahre alt geworden, verlässt im Herbst mit mehreren Abschiedsvorstellungen die Kompanie, bei der...
