Wider das Vergessen
Wie kommt eine französische Tanzwissenschaftlerin dazu, sich ausgerechnet mit einem typisch deutschen Thema zu befassen? Durch Zufall. Über Umwege. Ich komme aus Lille, habe dort Geschichte und Literatur studiert und wollte in Paris am Sciences Po eigentlich meinen Master machen. Natürlich setzte ich auch meine Tanzausbildung fort, und das bei Karin Waehner, einer Wigman-Schülerin der Nachkriegszeit, die in der französischen Hauptstadt an der Schola Cantorum unterrichtete.
Als uns die Professoren am Institut für politische Studien empfahlen, über unerforschte Archive zu arbeiten, unterhielt ich mich darüber mit Karin, mit der mich inzwischen eine Freundschaft verband. Sie riet mir, mich mit dem Nachlass von Mary Wigman zu beschäftigen, der damals gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Und das fand ich ganz folgerichtig, nachdem ich den Ausdruckstanz sozusagen am eigenen Körper erfahren hatte. Mit Feuereifer stürzte ich mich in die Arbeit.
Offenbar mit Erfolg. Ihre Doktorarbeit entstand in diesem Zusammenhang. Ja. Der Wigman-Nachlass in der Berliner Akademie der Künste war auf einer künstlerischen und pädagogischen Ebene absolut interessant. Aber in ihm fanden sich kaum ...
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Tanz März 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Hartmut Regitz
Das Berliner Kunstvolk kann kämpfen. Es weiß, wie man sich positioniert, zu den Waffen greift und wie es den Hintern bewegen muss, um Erfolg zu haben. In Berlin gibt es eine Koalition der freien Szene. Wo andere Städte oft noch im Quark stecken, um der freien Szene überhaupt ein Gesicht zu geben (von Stuttgart und Dresden einmal abgesehen), ist in Berlin etwa der...
Eine Tänzerin unter einer Glühbirne in einem dunklen, kleinen Raum: Trotz der Begrenzung tanzt sie in schönen großen Bewegungen – mal angezogen vom Licht, dann im Widerstreit mit ihm. Ihre Bögen werden zunehmend fahriger, die Pirouetten schneller, Gesten verlangsamen sich, enden in minimalen Bewegungen. Manchmal versiegen die Impulse, dann beginnen sie wieder ganz...
Man sieht es und staunt nicht. Die Bühne ist leer. Viel Weiß um Nichts: jede Menge Platz zum Tanzen. Links und rechts hängende Begrenzungen aus Plexiglas. Das sichert Transparenz, einen Hauch Eleganz strahlt es auch aus. Aus dem Schnürboden fallen Lamellen, selbstredend persilfarben. Die Welt so rein. Das Pure der Subjekte (Objekte der Begierde?) scheint gesichert....
