Sammler-Herzen
Eigentlich war der Rahm längst abgeschöpft. Schon 2012 hatte die erste, sensationelle Versteigerung in Lausanne etwa sechs Millionen Euro erbracht, siebenmal mehr als erwartet. Aber Serge Lifars Hinterlassenschaft scheint schier unerschöpflich: Der Mann sammelte, was er nur kriegen konnte, und warf kaum etwas in den Müll. Der Tänzer, Choreograf und langjährige Ballettdirektor der Pariser Oper hortete nicht nur Fotografien, die von ihm und seinen Freunden entstanden. Nicht nur die Briefe, die sie ihm schrieben, nicht nur Plakate, Programmhefte oder Ballett-Zeitschriften.
Lifar war Kunstsammler, und seine Freunde hießen Jean Cocteau und Coco Chanel, Max Ernst, Pablo Picasso und Marc Chagall. Gute Freunde haben die Eigenschaft, Geschenke zu machen: hier ein Bild, da eine Skizze, dort ein Kostümentwurf. Oder gar eine Bibliothek: Serge Diaghilew, Impresario der Ballets russes, hinterließ Lifar – seinem letzten Liebhaber – umfangreiche Buchbestände. Seitdem sammelte der junge Mann weiter und weiter und trug im Lauf der Jahrzehnte immense Schätze zusammen: Zeichnungen, Gemälde, Andenken von Gala-Auftritten, Gastspielen, Reisen – kurz: Auktionsgut in Hülle und Fülle, das Sammler weltweit ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 46
von Thomas Hahn
__________vaslav nijinsky
Tanz, das sind bewegte Bilder in Raum und Zeit. Eine Bewegung festhalten, heißt: sie zum Stillstand bringen. Auf dem Foto friert sie ein, stirbt vielleicht, dafür setzt sich die Regung, die dahinter steht, die Erregung, aus der sie kommt, frei.
Ich war noch ein Kind und hatte gerade meine Tanzausbildung angefangen, als ich die...
Man kann den künstlerischen Bühnentanz in noch so hoher Qualität betreiben – das allein reicht niemals aus, um in eine Gesellschaft wirklich hineinzuwirken oder mehr Menschen zu erreichen. Wie beim Kino, wie beim Konzert – und beides ist verbreiteter als das Ballett – gilt: Es müssen für die Gesellschaft Bilder geschaffen werden. Und weil es nie und nirgendwo eine...
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