arkadi zaides
ist ein Hoffnungsträger in doppelter Hinsicht – für Israel und für den Tanz. Hervorgegangen wie so viele andere Choreografen aus der Batsheva Dance Company unter Ohad Naharin, mag er sich nicht mit den alltäglichen Ungerechtigkeiten der Besatzungsmacht Israel in den besetzten Gebieten abfinden. Er legt den Finger in die Wunde, hört nicht auf, die Mechanismen hierarchischen Denkens aufzudecken und anzuprangern, indem er sie unkommentiert dokumentiert. Diesen Dokumentationen verleiht er in Kombination mit fragmentarischen, recht ungelenken Bewegungen einen Anstrich sardonischen Humors.
Für «Archive», ein circa 90-minütiges Solo, uraufgeführt im Streiksommer 2014 beim Avignon-Festival, bediente er sich der Video-Aufnahmen, die B‘Tselem, das Israelische Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzten Gebieten, bei Palästinensern in Auftrag gegeben hat. Die Amateuraufnahmen zeigen Schikanen, wie sie sich die Besatzer, oftmals aus reiner Langeweile, immer wieder einfallen lassen. Zaides‘ Projektions- und Körpertheater beginnt quälend langsam und endet in einer atemberaubenden Choreografie der Gewalt als Stretta, indem er die zeitlupenhaften, in Wiederholungen eingeübten Bewegungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 184
von Eva-Elisabeth Fischer
Ein Name, sagt Pablo von Sternenfels, habe nichts mit den Fähigkeiten eines Tänzers zu tun. Einspruch! Wer Pablo von Sternenfels, den Stuttgarter Halbsolisten, als Lenski oder als Krabat gesehen hat, ahnt, dass Namen ihre Träger prägen. Müsste man die Hauptrolle in einem Ballett nach Saint-Exupérys Erzählung «Der kleine Prinz» besetzen, wäre der Mexikaner mit dem...
Was ist intelligent? Seit dem Sommer 1956, der legendären Dartmouth Conference in den Vereinigten Staaten, gilt als ausgemacht: Intelligenz braucht kein Gehirn. Denken sei bloße Informationsverarbeitung, ein Rechenvorgang, dem die Trägersubstanz, der Körper, herzlich egal sein kann. Seitdem ist auch eine dumpfe Angst in der Welt, die Stanley Kubricks «2001 –...
Tanz und Musik können die ganz großen Gefühle aus uns herauskitzeln: Wenn Zuschauer sich bei Béjarts «Boléro» vor Leidenschaft verzehren oder leise schluchzen, kaum dass «Giselle» das letzte Mal für ihren Geliebten tanzt, hat der Verstand Sendepause. Emotionen sind eine ziemlich komplizierte Sache. Viele Systeme in Gehirn, Körper, im Bewussten und Unbewussten...
