Serie: Master-Macher – Ludmila Kovaleva, Waganowa-Akademie, Sankt Petersburg
Im Jahr 1738 gründete der Franzose Jean-Baptiste Landé die Ballettschule am Petersburger Hof von Zarin Anna Iwanowna und legte damit das Fundament für eine Bühnenerziehung nach westlichem Vorbild. 1934 übernahm Agrippina Waganowa (1871 – 1951) die Leitung der Schule. Die einstige Ballerina der Petipa-Epoche setzte auf eine Erneuerung des klassischen Tanzes und ermutigte ihre Schützlinge, statt starrer Posen sämtliche Körperteile in einen harmonischen Bewegungsfluss zu bringen. Dafür entwarf sie eine bis heute weltweit adaptierte Unterrichtsmethodik.
Die Absolventen der 1956 in «Waganowa-Ballettakademie» umgetauften Ausbildungsstätte werden gerühmt für die exzellente Koordination der Beine, Arme und des Kopfes, für ihre grazilen Posen und großzügig-erhabenen Port de bras.
Mehr als 350 Studierende zählt die Schule derzeit – eine Elite, denn die Auswahlverfahren sind äußerst hart. Die Ausbildung beginnt im Alter von elf und umfasst bis zum Schulabschluss mit 18 Jahren sowohl Unterricht in klassischem Ballett, Pas de deux und Charaktertanz wie auch ein Curriculum aus Fächern von Literatur über Mathematik bis hin zu Fremdsprachen. Die Eleven nehmen an Aufführungen des Mariinsky-Theaters ...
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Tanz November 2014
Rubrik: praxis, Seite 72
von Natalia Zozulina
Martin Schläpfer blickt verdrießlich auf seine Füße. Er probiert die komplizierte Schrittfolge aus verketteten Bourrées und Échappés erneut. «Ich kann das noch nicht», sagt er, und schleudert das rechte Bein nach vorne. Halb belustigt, halb verärgert streicht er sich durchs Haar. Wie ein Schuljunge wirkt der Chef des Ballett am Rhein im Probensaal in...
Rundherum klopft und zupft der Sound von Tamer Fahri Özgönenc, während wir Zuschauenden uns akklimatisieren und im unbestuhlten Theatersaal arrangieren: ziellos flanieren, einander flüchtig oder eingehend mustern, uns auf den Boden setzen, uns gegenseitig erfassen und anpassen an jeweilige Gehrichtungen und -tempi. Eine Gemeinschaft auf Zeit, ein zufälliges...
Man stelle sich diesen Vorgang in irgendeiner anderen Kunstsparte vor: Joanne K. Rowling hat beschlossen, keine Fortsetzung von Harry Potter zu schreiben. Da fasst sich Cornelia Funke ein Tintenherz und schreibt die Serie weiter. Daniel Barenboim dirigiert nicht mehr das West-Eastern Divan Orchestra, fortan hebt Ingo Metzmacher den Stab. Neo Rauch lässt den Pinsel...
