auf dvd: Marquis de Sade

Tanz - Logo

Gregor Seyffert liebt es groß. Der einstige Solotänzer der Komischen Oper Berlin und «Prix-Benois»-Träger war Nijinsky in «Clown Gottes». Die Produktionen seiner eigenen Kompanie waren immer mehr als bloß Ballette, hatten den Hang zum überbordenden theatralen Spektakel. 2006 realisierte er seinen bislang größten Coup, ein «Cross-Genre-Aktions­theater» über das Leben jenes verarmten französischen Adligen Donatien-Alphonse-François de Sade, den alle Welt nur als Marquis de Sade kennt – und entweder als Freidenker lobpreist oder als gottlosen Wüstling verabscheut.

Über 75 Darsteller setzte Seyffert in «Marquis de Sade» ein, in den Sommermonaten wurden an den Wochenenden regelmäßig drei Vorstellungen hintereinander gegeben. 56.000 Besucher (laut DVD-Booklet) ließen sich in den vier Jahren an  das stillgelegte Riesenkraftwerk in Vockerode nahe der Bauhaus-Stadt Dessau locken. Seyffert tat etwas touristisch Verwertbares in der wirtschaftlich alles andere als prosperierenden Region. Doch künstlerisch war «Marquis de Sade» von eher fragwürdiger Qualität, Seyfferts Choreografie bewegte sich in etwa auf dem Niveau von Fernsehshow-Balletteinlagen.
Nun ist «Marquis de Sade» auf DVD erschienen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2010
Rubrik: medien, Seite 59
von Klaus Kieser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Portraits einer Stadt

Salzburg, die Landeshauptstadt mit dem höchsten Ausländeranteil Österreichs, zieht nicht nur Touristen an – es herrscht Multikulti an der Salzach. Das haben die Tanzfotografin Anja Hitzenberger aus New York und die Dokumentarbildnerin Anusha A. Yadav aus Mumbai wörtlich genommen. An Makartsteg, Müllnersteg und entlang dem Salzachufer erzählen ihre «Portraits einer...

amsterdam: julidans

In Amsterdam wird sie endlich wieder zu sehen sein: Teodora Castellucci, die Nichte von Claudia Castellucci, die 1981 im italienischen Cesena mit ihrem Bruder Romeo die Socìetas Raffaello Sanzio gründete. Aus dieser Theaterfamilie von Weltrang ist auch eine scharf und genau arbeitende Choreografin erwachsen. Mit ihrer Schwester Agata schuf Teodora Castellucci schon...

kazuo ohno ist tot

Er war ein Philosoph als Tanzlehrer, der japanische Butoh-Künstler Kazuo Ohno – und eine der ältesten Bühnenpersönlichkeiten der Welt, einer, der mit jedem seiner charmanten Auftritte noch als 97-Jähriger den Körper an seine Grenzen führen konnte.

Besessen von einem eigensinnig eleganten und sehr einfachen Bewegungsstil, ging es Kazuo Ohno im Tanz um die...