dortmund: Xin Peng Wang: «Zauberberg»

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Ein «weißes Ballett», Tanz einer todgeweihten Gesellschaft: Weiß ist der Schneegipfel, auf dem Thomas Manns Held Hans Castorp für sieben Jahre ein Refugium im Lungensanatorium findet. Weiß sind die seiden-zarten Kleider der Kranken, weiß ihre Leichensäcke. Denn wer sich auf die Berge bei Davos begibt, der leidet zumindest vorgeblich an der «weißen Pest», der Tuberkulose.

Körpertemperatur nahe 38 Grad? Hans Castorp muss wohl krank sein. Bereitwillig glaubt er an den Schatten eines Schattens auf seiner Lunge.

Die morbid-entrückte Atmosphäre hat es dem labil-lebensfaulen Jüngling angetan – wie auch dem Dortmunder Choreografen Xin Peng Wang. Man kann schon verstehen, dass für einen Handlungsballett-Choreografen, der seit Jahren mutig nach neuen, noch nie vertanzten Stoffen sucht und dabei auch Tolstois Historienkoloss «Krieg und Frieden» bearbeitet hat, Thomas Manns Roman «Der Zauberberg» große Attraktion besitzt. Körper, Krankheit, Tod – eine verführerische Vorlage für die ohnehin vom Moribunden begeisterte Sparte. Die Diskurs-Lastigkeit des Romans ist indes eine kaum bewältigbare Tanz-Last. Naphtas sozialutopisches wie auch faschistoides Weltbild, Settembrinis aufklärerisch-liberales ...

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Tanz Dezember 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Nicole Strecker

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