Hamlet
Lohnt es sich, Shakespeare zu vertanzen? Immerhin gibt es schon, sagt das Programmheft, circa 400 gelehrte Publikationen jährlich zum Problemkomplex «Hamlet». Klingt übertrieben. Trotzdem finden sich immer wieder Neudeutungsnischen.
Ähnlich ambitioniert interpretieren die schätzungsweise ein Dutzend europäischen Inszenierungen pro Saison «Hamlet» mal politisch, psychoanalytisch, lebensphilosophisch, als Parabel über das richtige Handeln im falschen Leben, das Leben als (Schau-)Spiel und Denkexperiment, die Kraft und das Unvermögen des Zauderns, feministisch, postfeministisch, postdramatisch und buchstabentreu – von Laurence Olivier bis Angela Winkler. Hat hier jemand Fallhöhe gesagt?
Kevin O’Day, der amerikanische Choreograf und Ballettchef in Mannheim, nennt eine sehr persönliche Motivation für sein jüngst in Stuttgart uraufgeführtes Handlungsballett. Es seien, auch biografisch inspiriert, die Erwartungen des Vaters an den Sohn. Sie lägen in unserer DNS, verfolgen uns bis ins Mark. (So erklären sich die Prospekte rings um Tatyana van Walsums porösen Königs-Saloon: Knochenstruktur unterm Mikroskop.) Hamlet zögert, wie wir wissen, vier Akte lang, um das Ungeheuerliche zu tun, die ...
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Sie haben mehr als 30 Jahre beim New York City Ballet getanzt. Wie war Balanchine als Lehrer? Er unterrichtete jeden Tag, außer er war krank oder unterwegs. Selbst an unserem freien Tag, dem Montag, hielt er ein freiwilliges Training ab. Balanchine...
Sie kommt hereingeweht in einem türkisfarbenen Seidenmantel, so großzügig geschnitten, wie ihn nur sehr hochgewachsene Frauen tragen können. Sie fröstelt, obgleich die Sonne scheint. «Der ist eigentlich für abends», sagt sie, aber der hing halt gerade da, als ihr kalt wurde. Eitel ist Bettina Wagner-Bergelt also nicht. Eine eitle Frau würde lieber frieren, als sich...
Wo Bestatter ihre Toten umsorgten und vor mehr als zehn Jahren hier die letzten Särge zimmerten, die letzten Leichen schön machten und deren Grabsteine meißelten, ist nun auf den 39.000 Quadratmetern des ehemaligen städtischen Bestattungsinstituts, das sich im Pariser Nordosten versteckt, eine Künstlerstadt entstanden. 104.fr heißt sie, mit Ateliers für bis zu...
