Tradition
Tanz hat etwas von Totengräberei: Wir beschwören die Toten und hoffen auf das Leben. In diesem Paradox scheinen die zwei Seiten des Tanzes auf: Einerseits lebt er von der Tradition, andererseits ist er nicht, oder jedenfalls nur schwer zu bewahren. Manchmal denke ich sogar, dass man ihn gar nicht bewahren sollte, weil er so vom Moment lebt und so gesehen schon die Strecke vom Choreografieren im Studio zur Aufführung eigentlich sinnlos ist.
Der akademische Tanz, der mit seinem Kanon von Schritten den Rahmen für das Schaffen bildet, ist nur ein winziger Versuch, etwas einzuschränken, zu disziplinieren, was ungeheuer frei ist, nämlich Tanz und Leben. Jede Formsuche zielt ja darauf ab, sich trotzig dem Unerklärlichen entgegenzustellen. Formen schaffen Tradition und brauchen Tradition, um überliefert zu werden. Tradition schafft Sicherheit und Wärme, Verlässlichkeit, um nicht ganz ins Nichts zu fallen, während man etwas tut. Die respektvoll respektlose Aufgabe ist es, die Tradition einzubeziehen, aber zugleich infrage zu stellen, um etwas neu aufzubauen. Das Erbe und das Erreichte in der Tanzkunst verhindern oft einen neuen Blick. Andererseits bemühen sich die wenigsten, in etwas Neuem ...
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Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: wuppertal: pina bausch, Seite 84
von Marco Goecke
Welche Wünsche hat man an den Tanz, und wer ist geeignet, diese zu erfüllen? Was suchen wir allabendlich auf der Bühne? Ein Stück von der Freiheit, eine wirklich gute Idee, ein Bild für den nächsten nächtlichen Albtraum? Und wer kann gar die Fahne der Hoffnung tragen – oder ist es eine Fackel? Wenn jemand für die Hoffnung einstehen kann, dann wohl das...
Sie sind noch nicht ganz trocken hinter den Ohren, und deswegen ist die Solo-Therme in Otterndorf wie geschaffen für die acht Youngsters des Bundesjugendballetts. Warum nicht mal in einem leergepumpten Schwimmbecken tanzen? Noch dazu, wenn man die einmalige Bühne damit zu einem «Ausgezeichneten Ort im Land der Ideen» machen kann und dafür auch noch einen Preis...
Die beiden tschechischen Tänzer und Zwillingsbrüder Jiří und Otto Bubeníček sind trotz längst verschiedener Wirkungsstätten in Dresden und Hamburg zu keiner Zeit völlig getrennte Wege gegangen. Mit «Les Ballets Bubeníček» sorgten die außergewöhnlichen Künstler zu Jahresbeginn 2014 an zwei Abenden im restlos ausverkauften Prager Nationaltheater für einen wahren...
