Tanz mit dem Fetisch
Manche Werke sind uns heilig. Sie entzünden die Fantasie, verzaubern das Publikum seit Generationen. So verhält es sich mit «Giselle», von Théophile Gautier zu Papier gebracht, 1842 uraufgeführt. Gautier, ein Pariser Luxus-Dandy und rauschmittelseliger Bonvivant, zählte nicht nur zu den produktivsten Ballettlibrettisten des 19. Jahrhunderts. Vielmehr beschrieb er auch einen klassischen Fall von Fetischismus – lange bevor Kollegen wie Charles Baudelaire, Stéphane Mallarmé oder Joris-Karl Huysmans danach griffen.
In Gautiers Erzählung «La Toison d‘or» (1839, zu Deutsch «Das goldene Vlies») träumt ein junger Mann von blonden Engelslocken. Das Objekt seiner Begierde findet er in Gestalt eines Gemäldes. Auf Peter Paul Rubens‘ «Kreuzabnahme» ergießen sich «Kaskaden aus Gold und Licht» vom Scheitel auf die Schultern der Maria Magdalena. Der junge Mann ist vernarrt in die Figur, in das Bild, das Haar – es wird sein Fetisch. Nebenbei bemerkt: Wie viele Wahnsinnsszenen, wie viele Liebesschwüre wurden seit «Giselle» mit wallendem Langhaar getanzt – Weiblichkeitssymbol, Fetisch schlechthin seit Urzeiten? Isadora Duncan, Maurice Béjart, John Neumeier, Pina Bausch, Akram Khan, Boris Charmatz … ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Editorial, Seite 8
von Red.
Zuerst dachte ich – nein, ich habe keinen Glücksbringer, den ich immer dabei habe, wenn ich eine Vorstellung tanze. Ich habe den Theater-Aberglauben hinter mir gelassen, als ich 1989 das Landestheater Castrop-Rauxel verließ, um Neuen Tanz in Arnheim zu studieren.
Gleichzeitig steckte ich aber in den Vorbereitungen für mein neues Solo «triton tanzt. twisted...
Ich hatte eigentlich nie einen Talisman – außer als ich Australien 1973 verließ. Da hat mir meine Mutter einen dunkelrot gefärbten Känguru-Pelzmantel geschenkt. Dieser Mantel hat mir in den Anfangszeiten am Wuppertaler Tanztheater, während der kalten Jahreszeit und – was vielleicht noch wichtiger war – in schwierigen Phasen die Seele gewärmt. Viele Jahre lang war...
Was mit kleinen Blockpartys an den Rändern von New York begann, hat mittlerweile die Kunstwelt revolutioniert. Von High Fashion über die Oper von Paris bis hin zu großen Getränke- und Kleidungsmarken: Alle schmücken sich mit der «Authentizität» und dem Lebensgefühl der Hip-Hop-Bewegung. Bei der nächsten Olympiade soll es sogar Breaking als Sportart geben, mit...
