Der Song der Stille

Zum ersten Mal gestattete die berühmte Brüsseler Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker einem Tanzjournalisten, ihr bei der Arbeit zuzuschauen. «The Song» heißt das neue Stück, dessen Entstehung ballet-tanz exklusiv beobachten durfte. Aber kein Orchester spielt auf, keine Band, auch der CD-Player schweigt.

Tanz - Logo

«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» Das uralte Zitat von Karl Valentin liegt, in deutscher Sprache, auf dem Schreibtisch von Anne Teresa De Keersmaeker. «It’s a present from a friend», lächelt sie. Ganz offensichtlich von jemandem, der ihre Arbeit gut kennt. Denn nur auf wenige Künstler mag Valentins Bonmot so zutreffen wie auf die Gründerin der weltberühmten Rosas-Kompanie.

Was im Ergebnis auf der Bühne so spielerisch leicht, so spontan und frisch wirkt, wenn die Tänzer ihre spiralförmigen Bahnen ziehen, wird bei ihr bis ins letzte Detail und manchmal bis zur Erschöpfung geprobt. Eine halbe Sekunde hier, ein paar Zentimeter dort machen bei ihr schon einen Unterschied. Wenn alles stimmt, fließen Energie und Bewegung der Gruppe wie aus einem Guss. Eine Sekunde Verspätung könnte das Uhrwerk einer Szene durcheinanderbringen. Darum gilt bei ihr auch: «The organization of space makes the organization of time.»

Bei den Proben zu ihrem neuen Stück, «The Song», gibt es kaum Musik. «The Song»? Welcher denn? Die Stille der Bewegungen klingt wie die Suche nach dem Echo einer Zeit. In «The Song» forschen Körper nach den Schwingungen, die die Beatles mit einigen ihrer frechsten und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2009
Rubrik: Anne Teresa De Keersmaeker, Seite 10
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Katerina Bakatsaki

Body Weather wurde in den 1980er Jahren vom japanischen Tänzer und Choreografen Min Tanaka entwickelt. Sie gehörten von 1986 bis 1993 zu seiner Kompanie. Seit 1996 leiten Sie mit Frank van de Ven die Trainings- und Performance-Plattform Body Weather Amsterdam, unterrichten an der Hochschule der Künste in Utrecht, an der SNDO in Amster­dam und geben weltweit...

Was Laban lehrte

Selbst wer sich nur marginal mit Geschichte und Wissenschaft des Tanzes im 20. Jahrhundert beschäftigt, kennt seinen Namen: Rudolf von Laban. Der 1879 geborene Sohn eines österreichisch-ungarischen Offiziers gilt als der einflussreichste Theoretiker des modernen Tanzes. Der vorgesehenen Karriere im militärischen Dienst der k&k-Monarchie entwand er sich durch ein...

Tanz den Baobab

Germaine Acogny gilt als die Ikone des afrikanischen Tanzes, eine Choreografin, Bewahrerin der Tradition und Visionärin ihrer Verlängerung ins Zeitgenössische. Die Ex-Direktorin von Mudra Afrique ist heute Leiterin der größten, wichtigsten und professionellsten Tanzschule des Kontinents. Die École des Sables wurde ihr Lebenstraum – und ein Traum für alle, die dort...