Sehnsucht nach Geborgenheit

Die einen fühlen sich ganz selbstverständlich mit ihr verbunden, die anderen halten sie für ein Auslaufmodell. Neuerdings erlebt sie landauf, landab eine Renaissance: die Heimat.

Tanz - Logo

Heute über Heimat zu sprechen, heißt häufig über ihren Verlust zu reden. Die Sehnsucht nach heimatlicher Zugehörigkeit tritt ein, wenn man sie gerade zu verlieren scheint oder bereits verloren zu haben glaubt. «Heimatverlust» bewirkt einen Phantomschmerz, meist bleibt er unerlöst. Die äußere Heimat – der Boden, der Wald, das Land, der Raum – ist faktisch ja nach wie vor vorhanden, die innere Heimat aber nicht mehr. Wenn die Übersetzung der inneren und äußeren Heimat ineinander misslingt, -treten Verlustgefühle und mit ihnen Verlustängste auf.

Natürlich hat nicht jeder das Empfinden, seine Heimat einzubüßen. Wo kein Verlustgefühl auftaucht, fügen sich innere und äußere Heimat offenkundig so harmonisch ineinander, dass es keinerlei Übersetzung bedarf. Diese Menschen fühlen sich auf ganz natürliche Weise beheimatet und der Heimat verbunden. Für sie gibt es keinen Anlass, über Heimat nachzudenken oder sich die Frage nach ihrer Neudefinition zu stellen. Womöglich wird sie das mittlerweile zum politischen Konflikt gewordene Räsonnement über «Heimat» eher verwundern, manchmal gar verstören. Doch im verstaubt klingenden, überraschend aus dem Archiv abgelegter Ideen hervorgekramten Wort ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Daheim, Seite 56
von Christian Schüle

Weitere Beiträge
Jirí Kylián

Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist. 

Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration»...

Anna Dankova

Drei Damen reiten auf einem aufblasbaren Springbrunnen, tanzen auf dem Rand des schwankenden Beckens, ringen miteinander in einer luftgefüllten, vier Meter durchmessenden Brunnenschale. In der zeitgenössischen Tanzkunst würde allein dieses Bild Applaus erheischen. Die bulgarische Choreografin Anna Dankova setzt Entscheidendes noch oben drauf. Ihre Tänzerinnen kauen...

Dario Tortorelli

Nach seiner Ausbildung in klassischem und zeitgenössischem Tanz in Italien und Frankreich zog Dario Tortorelli 2001 in die Niederlande. Hier arbeitete er u. a. mit den Choreografinnen Conny Janssen, Ann Van den Broek und Lucinda Childs sowie mit der Kompanie Introdans zusammen. Seit Beginn seiner eigenen choreografischen Tätigkeit und der Suche nach dem perfekten...