Foto: Renate Beense
Arno Schuitemaker
Nachdem er an der Technischen Universität von Delft einen Master-Abschluss erworben hatte, wechselte Arno Schuitemaker die Richtung und begann eine Karriere im zeitgenössischen Tanz. Seit der 1976 geborene Niederländer ein Diplom für Choreografie in der Tasche hat, macht er Stücke, die sich durch eine ausgesprochen physische und sensorische Annäherung an existenzielle Themen auszeichnen. Schuitemaker rückt den Körper in den Fokus und entwickelt so eine intensive, ebenso erdverbundene wie poetische Bewegungssprache.
Für «While We Strive» – Trio mit einer Frau, zwei Männern – hat sich Arno Schuitemaker von den Neurowissenschaften und der Gegenwartsphilosophie inspirieren lassen. Während vorwärtstreibender Klang den Raum erfüllt und das atemlose Stück rhythmisiert, scheinen sich die Tänzer – sowohl buchstäblich wie im übertragenen Sinn – die Bälle zuzuspielen. Sie bleiben ununterbrochen in Bewegung und tauchen in einen Strom der Wiederholungen ein, wobei sich ihr Tun zusehends komplexer und rasanter gestaltet. Beschleunigte Gesten verschmelzen mit Licht und ungewöhnlichen Klängen zu einer explosiven Mischung. Sie setzt eine Vielzahl an Assoziationen und Ideen frei, die die visuelle und akustische Wahrnehmung umkehren: Man hört mit den Augen, sieht mit den Ohren. Etwas Athletisches, Aufbrausendes steckt in diesem «While We Strive», während das Bewegungsvokabular eigentlich ganz einfach bleibt. Aber die Verschiebung der Wahrnehmung schickt uns auf eine durch und durch verführerische Reise ins Land der Sinne.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 183
von Agnès Izrine
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