Ich bin Christ
«Wer nicht tanzt, kennt den Weg des Lebens nicht.» So zitiert John Neumeier aus dem Hymnus Christi «Flöten will ich, tanzet alle» – überliefert in den apokryphischen 1. Johannesakten, mit denen Jesus beim Abendmahl seine Jünger zum Tanz auffordert – im Programmbuch zur «Matthäus-Passion» bei den Hamburger Ballett-Tagen 1981. Ein Wegsuchender ist er in über dreißig Erfolgsjahren als Direktor und Intendant des Hamburg Ballett geblieben – als Choreograf und als bekennender Christ.
In seinen Kreationen zu sakraler Musik – vom international bekannten Bach-Dauerbrenner und dem «Magnificat» (1987) bis zu Mozarts «Requiem» (1991) und Händels «Messias» (1999) – befragte und befragt Neumeier die Tanzkunst, überprüft den Gottesglauben auf gültige Prinzipien der Humanität als (ethisch, religiös oder spirituell fundierte) Richtlinien für das Üben von Nächstenliebe und Mitleiden.
Wie sein «Nijinsky» als Ergebnis lebenslangen Ringens mit dem Neuschöpfen des Tanzes im Sinn von modernem Ballett-Theater zu interpretieren ist, könnte sein neues Werk über den Parzival-Mythos (zur Musik von John Adams und Arvo Pärt mit Edvin Revazov, dem Tadzio aus «Tod in Venedig» in der Titelrolle) ein Kommentar zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Elisa Carrillo Cabrera ist seit diesem Jahr Solistin des Stuttgarter Balletts, dessen Mitglied sie schon als Elevin, also von der Pike auf ist (Foto links). Dieter Blum hat die Mexikanerin für seinen Kalender Pure Dance portraitiert – der schönste großformatige Kalender fürs nächste Jahr. Er zeigt, was Tanzkalender bewirken können: Den Tanz nicht nur von der...
Der ungarische Religionswissenschaftler Mircea Eliade veröffentlichte 1957 die Schrift «Das Heilige und das Profane». Er fragte: Wie kann ein x-beliebiger Raum «heilig» werden? Man kann ein Schloss davor hängen. Dann ist der Raum privat. Man kann beschließen, dass einen Raum nur eine winzige Minderheit betreten darf. So erhält man einen Altarraum oder eine Bühne....
Vladimir Malakhov, Ballettintendant der Berliner, hat noch Träume. Einen davon haben Frank Sistenich und Christiane Theobald in ihrem Bildband «Malakhovs Dornröschen» festgehalten, mit dem sich Schott Musik International erstmals auf dem Tanzmarkt positioniert: ein Fan-Buch im imponierenden Table-Format, das mit einer Fülle faszinierender Fotos aufwartet, über die...
