weltbürger
Man darf sich den 30. Längengrad derzeit wie eine imaginäre Grenze vorstellen. Er verläuft schnurgerade von Norden an Sankt Petersburg und Kiew vorbei in Richtung der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. Diese Linie fällt einen Schlagbaum quer durch Europa. Östlich von ihm wird russisch gesprochen, russisch gedacht, russisch regiert und russisch getanzt. Es ist eine unsichtbare Linie, die sogar das weiter westlich gelegene Istanbul nach Europa verweist. Vor genau hundert Jahren verlief sie noch entlang der Grenze zu Ungarn.
Damals erstreckte sich das sowjetrussisch genannte Territorium von Finnland über Polen nach Süden und wurde erst im Namen des Selbstbestimmungsrechts der Völker, nach zwei blutigen Weltkriegen und dem Ende der Sowjetunion nach Osten gedrängt.
Im Alter von zehn Jahren verließ Vladimir Malakhov die Stadt Kriwoi Rog im Süden der Ukraine. Heute, mit 46, verlässt er Berlin als scheidender Intendant des Staatsballetts und erinnert sich, dass es in Moskau seinerzeit schon genügt hat, in der Ukraine geboren zu sein, um keine Arbeitserlaubnis am Bolshoi-Theater zu erhalten (Seite 18). Der Längengrad existierte schon damals. Viel später erst durfte Alexei Ratmansky ein in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2014
Rubrik: editorial, Seite 1
von
Leicht ratlos schaut er in die Runde: «Won‘t work», stellt Alexei Ratmansky trocken fest, obwohl Corps und Solisten des Semperoper Balletts ihr Bestes gegeben haben. Minutenlang haben die Tänzerinnen versucht, sich im Achselklammergriff ihrer Partner Richtung Spiegel schieben zu lassen und dabei über passé retiré das hintere Bein nach vorne zu ziehen. Aber die...
Wir kommen! Der Tanz stellt sich auf, Arm in Arm, und marschiert gen Reichstag. Ganz so demonstrativ war es zwar nicht, aber das Symposium «Tanz und Politik» in Berlin Anfang Mai stellte doch eine Art Verbund oder Verbundenheit dar, die politische Entscheider beeindrucken konnte. Ob es wirklich ein «historischer Moment» war, wie hoffnungsvolle Tanzverbandsvertreter...
Vielleicht hat der Auftraggeber Manuel Legris genau darauf spekuliert: Ashley Page, Ex-Tänzer des Royal Ballet, Ex-Direktor des Scottish Ballet, war zweimal als Choreograf erfolgreich, und zwar als Arrangeur der weltweit übertragenen Tänze fürs traditionelle Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Das Staatsballett hatte dabei in fein ziselierter,...
