Germaine Acogny: "Waxtaan"
Germaine Acogny muss man unbedingt mal fragen: Warum kleiden sich afrikanische Kompanien umso westlich-büromenschenhafter, je näher sie ihren Wurzeln kommen? «Ganz einfach», würde sie antworten, «wir müssen zurückblicken, um besser voranzukommen. Befreien wir die Tänze von ihrem Folklore-Image!» Nur Mut, die direkte Verwandtschaft des amerikanischen Krumping in "Waxtaan" ist so frappierend, dass Afrika dieses Ziel bald erreicht haben sollte. «Waxtaan» bedeutet «Diskussion».
Die acht Politiker oder Manager, die sich zeitweise ihrer Jacketts und Schlipse entledigen, laufen und tanzen um einen «grünen Tisch», der weniger an Kurt Jooss erinnert als an Susanne Linkes «Le coq est mort». Die eleganten Anzüge sind Sinnbild der Behandlung des Kontinents durch Kolonialeuropa. Das Ursprüngliche, das sich humorvoll Bahn bricht, quillt den barfüßigen Technokraten direkt aus dem Unterhemd. Die Accessoires für Stammestänze schmuggeln sie im Aktenkoffer ein. Germaine Acogny, die zum ers-ten Mal mit ihrem Sohn Patrick gemeinsam kreiert, fehlt es nicht an Selbstironie bezüglich des tänzerischen Erbes. Nach Slapstick zu Beginn verdichten sich die Energien. Es folgen einige Runden Leerlauf samt ...
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«Wir waren schon mal weiter. Der Körper wird problematischer. Viele junge Frauen sind wieder verschleiert», sagt Anita Mathieu im Interview ab Seite 20. In der Pariser Banlieue betreibt sie seit acht Jahren ein Tanzfestival, vor anderthalb Jahren waren hier Ausschreitungen – brennende Autos und eingekesselte Polizisten. Nach den Unruhen in den Banlieues hieß es:...
Es war einmal in Gelsenkirchen. Mit vierzehn wollte er diese Glowing-in-the-dark-Stiefel haben. Nur der Preis, den er fürs Coolsein zahlte, war hoch: Sich mit seinem dicken, kleinen, spuckenden, aber spendablen Onkel ins Benehmen zu setzen, der so peinlich war, dass ihm diese Nachtglühstiefel gleich wieder zweitwichtig wurden. Onkel besaß nämlich einen Spucknapf...
Das hätte man von Alain Platel nicht erwartet: eine Geschichte von A bis Z, und nichts bleibt unausgesprochen. Vielleicht, weil das Thema so prekär ist: Der Ich-Erzähler des Romanerstlings «Beasts of No Nation» ist ein afrikanischer Kindersoldat. Der ihn sprechen lässt, ist ein Afroamerikaner mit nigerianischen Vorfahren namens Uzodinma Iweala. Er erzählt, was über...
