Pausieren
Philosophie und Tanz – beide befassen sich mit der Zeit der Bewegung. Die Philosophie tut dies kognitiv – auf dem Weg des Denkens etwa von Paradoxien wie Zenons berühmter Beweis, dass Achill die Schildkröte nie wird einholen können. Der Tanz hingegen, als eine Zeitkunst, arbeitet mit Bewegung, körperlich gestalteter Zeit. George Balanchine hat, aus diesem Wissen um die Zeitgestaltung, seine Zusammenarbeit mit Igor Strawinsky begründet: Strawinsky sei ein begnadeter «Schöpfer von Zeit».
Dabei enthält die Zeitgestalt des Tanzes immer auch jene Zeit-Ausschnitte, die den Bewegungsfluss unterbrechen; jene Momente, die in der Musik «Pause» oder «Fermate» heißen: Zeit-Ausschnitte der Nicht-Bewegung im Tanz. Das Anhalten der Bewegung – ein «still» im Tanz-Verlauf – zeigt sich in unterschiedlichen Stilformen und Varianten als Pose, sei es im Ballett, im Tanztheater oder im «posing» der Breakdancer. Der Begriff Pose (italienisch: posa) hängt wortgeschichtlich mit der aus dem lateinischen stammenden Bezeichnung Pause, d. h. «Unterbrechung, Innehalten, kurze Zeit der Rast», zusammen.
Es verwundert nicht, dass just seit jener Zeit, als sich zu den «alten» Zeitkünsten eine neue einfand, nämlich ...
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Im Halbdunkel in der Mitte des Raums eine schwarze Gestalt, im Gegenlicht, uns den Rücken zugewandt. Der Schatten verfremdet sie, modelliert eine Skulptur. Sie dreht sich unendlich langsam, nur eine Ahnung von Bewegung, die Füße rätselhaft unbewegt. Ärmel heben sich, aus den Öffnungen wachsen Hände. Unterschwellig schwebende Klänge. Ein Zittern durchbricht die...
Heike langsdorf war Tänzerin bei Jan Fabre, in seinem «Je suis sang» 2001/03, in «Parrots and Guinea Pigs» 2002 und in «Tannhäuser» 2004 sowie im Film «Les Guerriers de la beauté» von Pierre Coulibeuf. In einem Interview wird sie gefragt, ob sie bei Fabre etwas gelernt habe. Nein, sagt sie, lacht, aber sie habe gefunden, wonach sie in dieser Zeit gesucht habe: Die...
Nichts wiederholt sich, nie, schon gar nicht auf einer Bühne. Sollten deren Bretter tatsächlich «die Welt bedeuten», dann wohl genau aus diesem Grund. Es sind Bretter, die erlauben, dass hier real Raum und Zeit geschaffen wird für reale Körper und Aktionen, die nur in der Realität nicht existieren können. Oder, wie sich mit Gilles Deleuze sagen lässt, dort nicht...
