Die Hoffnungsträger
tanzt. Sie spricht – das ist Teil ihres Tanzens. Klar, die Tänzerin kann auch andere Sachen, sie baut momentan mit am Programm der Europäischen Kulturhauptstadt San Sebastián, ihrer Heimatstadt. Sie choreografiert seit Langem, unterrichtet.
Aber die Fünfzigjährige möchte, dass Tänzerin-Sein wertgeschätzt wird: Ist doch nichts Peinliches, Minderbemitteltes, die Choreografie von jemand anderem aufzuführen! Wobei sie das Glück hatte, 22 Jahre lang mit William Forsythe zu arbeiten, der seine Tänzer ins Entwickeln der Werke einband und ihnen sogar noch auf der Bühne Freiheiten ließ – sprich, die Herausforderung aufbürdete, unendlich viele Entscheidungen zu treffen.
Jone San Martin hat mit Forsythe und dem Tänzer Josh Johnson noch zuletzt ein schnauzbärtiges, wie durch nächtliches Unterholz oder durchs Unterbewusstsein knackendes Solo gemacht, unheimlich und penetrant palavernd; dazu eine Lecture übers Tänzersein mit Forsythe, die zur Performance auswuchert («Legitimo/Rezo»). Neulich stellte sie mit ihrem Kollegen Amancio Gonzalez Kernszenen aus «Clouds after Cranach» von 2005 vor und erweckte das verborgene Entsetzen der von ihr verkörperten Mutter-Figur wieder so zum Leben, dass man als ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 169
von Melanie Suchy
Keiner springt mit solchem Wagemut wie er. Da ist nicht mal der Bruchteil eines Zögerns. Also los! Die langen Beine zum Froschsprung angezogen. Runter vom Tisch. Der Frau in die Arme. So muss es sein, wenn man sich Hals über Kopf in eine Beziehung stürzt. Es könnte er oder sie, es könnten auch beide dabei draufgehen. Aber sie fängt ihn auf. Man ist so nah dran, bei...
Klassik, Moderne, Zeitgenossenschaft – in seinem Repertoire war alles vertreten. Zuletzt kam Pina Bauschs «Für die Kinder von gestern, heute und morgen» dazu, Krönung und Schwanengesang der Ära Ivan Liška
Noch zwei Vorstellungen von Pina Bauschs «Für die Kinder von gestern, heute und morgen» (tanz 5/16) waren es während der Opernfestspiele im Juli. Es ist die...
Neulich bin ich richtig überrascht worden. Die Vorstellung fand in einem leeren Klassenzimmer statt. Wo sonst die Lehrerin steht, spielte eine Frau am DJ-Pult. Die Zuschauer drückten sich an den Wänden entlang, als die mütterlicherseits aus Sri Lanka stammende Sara Mikolai mit verdecktem Gesicht und nacktem Rücken den Raum be-trat, um wie angekündigt ein Ritual zu...
