Splitternackt
Nackte Körper auf der Bühne, der Konvention der Kleidung entledigt: Was erzählen die bloßen Leiber? Sind sie, was seit Norbert Elias‘ 1939 erschienener Studie «Über den Prozess der Zivilisation» zu bezweifeln wäre, überhaupt «bloß»? Oder tragen sie nicht immer gesellschaftliche Markierungen und Bedeutungen mit sich, unterliegen so oder so Normen, Regeln und Tabus? Nackte Körper stehen einerseits für die Fragilität des Menschseins und das alle Menschen gleichermaßen Verbindende einer materiellen Existenz.
Andererseits sind sie geprägt von sozialen und kulturellen Kontexten, mit denen Choreografie und Regie umgehen müssen: Jede öffentliche und insbesondere jede künstlerische Inszenierung platziert den nackten Körper in einer Matrix binär oder queer codierter Gendermodelle, konventioneller oder progressiver Vorstellungen von Sexualität. Er wird zwischen «Ismen» wie Classism, Lookism, Ageism und Ableism verortet, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Diskurse oder kunsteigener Vorstellungen von Trainingsstand, Fitness und Virtuosität betrachtet. Zu diesen Faktoren verhält sich die Inszenierung kritisch beziehungsweise affirmativ. Oder? Für den zeitgenössischen Tanz klingt das ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Splitternackt, Seite 84
von Elena Philipp
In Paris war es eine gute Spielzeit für Liebhaber von Tschaikowskys «Schwanensee», für die Fans, die sich nicht sattsehen können an diesem choreografischen und musikalischen Monument und darauf brennen, die psychoanalytisch verankerte Nurejew-Fassung von 1984 immer wieder auf ihre Schlüssigkeit hin abzuklopfen. Der damalige Ballettchef schuf ein höllisches Quartett...
Ich habe keinen Talisman oder Glücksbringer, aber was Fetischismus betrifft – ist meine ganze künstlerische Arbeit voll davon. Alle meine Obsessionen gehen darin auf. Ich trage allerdings eine Halskette mit den beiden Trauringen meiner Eltern. Es ist das einzige Amulett, das mich immer begleitet. Beim Fliegen, wenn ich Stress oder Angst habe – und natürlich während...
Angefangen bei Coco Chanel über Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld bis hin zu Maria Grazia Chiuri, Diors aktueller Kreativdirektorin: Es vergeht kaum eine Saison, in der nicht eine weitere Kooperation von Mode und Tanz angekündigt oder verwirklicht wird. So haben sich fast alle großen Modeschöpfer mit dem Ballett befasst, bis zum heutigen Tag: Die einen entwerfen...
