André Presser

Der Underdog der Ballettmusik

Tanz - Logo

 

André Presser ist nicht auf den Hund gekommen, wie das Deckblatt einer Biografie vermuten lässt. Aber Tishpoo ist immer dabei, wenn sein Herrchen dirigiert. Das tut der rot­haarige «Ratje» aus Amsterdam, wie ihn eine seiner Geliebten nennt, heute nur noch in Ausnahmefällen.

Andries Jacob Presser, wie der Sohn eines jüdischen Kabarettisten eigentlich heißt, ist als Ballettdirigent ohnehin eine Ausnahmeerscheinung, ein «Underdog», wie er selbstironisch sagt, eine «Hure des Tanzes», wie Musiker spotten – ein Beruf, den es scheinbar nicht gibt: ein Ballettdirigent und als solcher einer der Besten. Heinz Spoerli nennt ihn in der sehr persönlichen Biografie «André Presser – Der Ballettdirigent. Ein Leben für den Tanz und die Musik» von Annette Bopp einen «Zauberlehrling» Nureyevs, der ihm das «Wesen des Tanzes» vermittelt habe.

 

Und obwohl Presser die Meinung vieler Orchestermitglieder teilt («Dornröschen», das Schlechteste, was Tschaikowsky geschrieben hat ... «La Sylphide» von Herman Løvenskjold – scheußlich! ... «Bayadère« von Ludwig Minkus – mein Gott! ... «Don Quixote» von Minkus – grässlich! «La Fille mal gardée» von Hérold – grauenhaft!), verwandelt sich ein «drittklassiges ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2008
Rubrik: Buchbesprechung, Seite 25
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Brief aus Gdansk

1946 eröffnete in Gdansk eine Ballettschule. Das Militär half dabei nach Kräften. Es gab sie noch, nährende Nähe zur Armee. Aber dann entband der Sozialismus das Militär von allen Kunstpflichten. Heute, so Witold Mrozek, der in Gdansk das Tanzportal Nowy Taniec (Neuer Tanz) redigiert, sind sie alle gegen Tanz. «Die Katholizisten verachten seine Profanität. Die...

Die Bernal Methode

Auf den ersten Blick unterscheidet sich ihr Unterricht nicht von dem anderer Ballettpädagogen. Erst wenn man genauer hinschaut, ist vieles anders: die Zeit, die sie sich für die «Stange» nimmt, die Unnachsichtigkeit, mit der sie immer wieder die ers-te Position korrigiert. Bis alles im Lot ist. Christina Bernal, klein von Gestalt, aber unübersehbar im Ballettsaal,...

Isadora Duncan

Isadora Duncan war die Sehnsuchts-Figur des Neuen Tanzes am Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie tanzte barfuß, antichristlich, berief sich auf die Götter der Griechen. Ihre drei Kinder starben. Unehelich. Eine Tragödie. Ohne Korsett und Spitzenschuh verkörperte sie die Freiheit. Amerika. Da kam sie her. Ihre Ersatzkinder, die «Isadorables», fand sie in den von ihrer...