Hannover: Jörg Mannes «Henry VIII»

Tanz - Logo

Der junge Henry Tudor ist ein Bild von einem Mann – groß, sportlich, dazu noch gebildet und künstlerisch ambitioniert. Er ist noch keine 18 Jahre alt, als er zum englischen König gekrönt und damit zu Heinrich VIII. wird. Wie Macht und Machtmissbrauch aus dem jungen, strahlenden Hoffnungsträger einen 160 Kilo schweren, mörderischen Tyrannen machen, zeigt Jörg Mannes in seiner Neuschöpfung «Henry VIII». Denis Piza tanzt die Titelrolle, aber weil die Figur ein so komplexes Innenleben hat, stellt der Choreograf ihr einen gewissen «H» an die Seite.

Manchmal im Einklang mit Henry, manchmal im Widerspruch zu ihm, wird dieser «H» mitunter sehr akrobatisch getanzt von Orazio Di Bella.

Mit Macht hat auch der immense Frauenverschleiß zu tun, mit dem der Herrscher in die Geschichte eingehen wird. Und doch ist jede Beziehung anders, wie Mannes wunderbar herausarbeitet. Die erste, arrangierte Hochzeit mit Katharina von Aragon zeigt einen selbstbewussten und kraftstrotzenden König, dessen Brautwerbung allerdings eher höfisch-verhalten als emotional ausfällt. Der eheliche Vollzug ist in erster Linie dem Fortbestand des Hauses Tudor geschuldet, der Akt wird sportlich auf einem riesigen Holzbrett ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Kirsten Pötzke

Weitere Beiträge
Liam Mower (english)

The stage musical Billy Elliot opened at the Victoria Palace Theatre in London on 11 May 2005. I was present in the theatre that night to review the show and was sitting in the front stalls with an excellent view of the stage and the celebrity-packed audience but I little realised that I was about to see one of the most remarkable events of my theatre-going life....

Halle: Ralf Rossa: «Werther oder ich werde geliebt, also bin ich»

Zu den unvergesslichen Miniaturen der Tanzgeschichte gehört Johannes Brahms‘ Walzer in As-Dur, op. 39, No 15, choreografiert von Frederick Ashton für einen Reigen namens «Five Brahms Waltzes in the Manner of Isadora Duncan»: Nichts als eine Tänzerin, die binnen Minuten die ganze Bühne in ein Meer aus Blütenblättern verwandelt. Die Bilder brennen sich derart in die...

Habit Cycles

Metamorphose eines Mannes. Aus seinem Körper sprießen tiefschwarze glänzende Federn. Sie sträuben sich kraftvoll auf seinem Rücken, seinen Armen, wachsen tief in das Gesicht hinein. Es ist das Gefieder eines Schwans. Wunderschön, aber: schwarz. Nicht weiß. Er wird immer unvollkommen bleiben, wie der Kreis, den seine heftig flügelschlagenden Arme auf dem Boden...