merce cunningham

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Wer in den vergangenen Jahrzehnten von zeitgenössischem Tanz sprach, dachte hoffentlich zuerst an Merce Cunningham. Seine Arbeit war essenziell, weil er es schaffte, ein genügend komplexes Körperbild herzustellen, dass den Selbstfindungsprozessen und dem Individualismus des 20. Jahrhunderts tatsächlich entsprach, nicht ohne selbst auch die Frage nach den Grenzen und der Begrenztheit dieses Strebens zu stellen. Man kann jetzt natürlich traurig sein.

Er hat das Ende seiner Kompanie verfügt, aber ehrlich und auch konstruktiver wäre die Frage, was wir von Cunningham wirklich gelernt haben und was tatsächlich von ihm – in uns – bleibt. Sieht man, wie er dieses Erbe bestimmt hat, welche Tänzer er zum Abschied aussuchte, wie er nicht mal im Ableben die Kontrolle darüber verloren hat, was mit seinem Werk geschehen soll, damit es Kunst bleibt, dann muss man den Hut ziehen.

Nur so wird Tanz nicht im Prozess des ewigen Weitervererbens zur Ideologie verformt. Selbst die Tournee samt etlichen Wiederaufnahmen seiner ihm wichtigs­ten Werke hat er noch bestimmt; ebenso, dass am 31. Dezember in New York nur Volkspreise, genau zehn Dollar Eintritt, erhoben werden. Zuvor haben wir bei ihm die ...

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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 140
von Tiago Bartolomeu Costa

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