interview: Akram Khan

Tanz - Logo

Ihre aktuelle Produktion «Vertical Road» verweist auf eine Art Jakobsleiter zu Engeln, Göttern oder Gott. Sorgen Sie sich um unsere spirituelle Verfassung?
Viele Menschen glauben nur noch an das Horizontale. Sie erledigen so vieles mit Routine, wie Roboter. Was fehlt, ist eine Bedeutung, ein Glaube, Vertrauen. Auch in der östlichen Welt prallen das Vertikale und das Horizontale hart aufeinander. Die Religionen sind überall noch da, aber Spiritualität wurde ersetzt durch Technologie.

Was bedeutet Spiritualität?
Hoffnung.

Wenn ich mit dem Tod konfrontiert werde, denke ich an das Spirituelle, an Gott, daran, was nach dem Tod kommt. Dann habe ich Hoffnung. Aber wenn Technologie alles möglich macht – wozu dann noch Gott?

Liegt das an der Technik?
Technologie ist das Zentrum unseres Lebens, sie beschäftigt uns permanent. Vor fünf Jahren hatte ich noch kein Mobiltelefon, da gab es Raum für mich zu reflektieren und mich mit mir selbst zu konfrontieren. Kaum jemand steht noch an der Bushaltestelle und wartet einfach. Die Leute wollen sich nicht mehr mit sich selbst konfrontieren, deshalb wird jedes Warten angefüllt mit technischem Schnickschnack. Wir können kaum noch bei einer Sache bleiben. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2010
Rubrik: menschen, Seite 33
von Nicole Strecker

Vergriffen
Weitere Beiträge
cottbus: Johann Kresnik

ist wieder da. Darmstadt hebt am 5. November seine «Ulrike Meinhof» in den Spielplan, eine widerborstige Kritik an Deutschlands Umgang mit dem damals so getauften Terror. In Cottbus tritt er wieder selbst an, zum 225. Geburtstag des Fürsten von Pückler-Muskau, dessen «Pückler-Eis» jedes Kind kennt. Seine Schlösser und Parks in Bad Muskau und Cottbus-Branitz, seine...

amsterdam: Benjamin Millepied

ist gegenwärtig der Darling des Balletts. Der 1977 geborene Franzose kam im Alter von 16 Jahren zum New York City Ballet, stieg dort zum Solisten auf und schwimmt seitdem auf einer Welle der Kreativität. In New York choreografiert er in immer rascherer Folge für die weltberühmte Kompanie, im vergangenen Jahr schuf er die Tanzeinlagen für den im Ballettmilieu...

krabbler & kribbler

Was würden Tiere uns wohl sagen, wenn sie wüssten, welch schlechtes Image sie haben, ob in geflügelten Worten oder im Blick der Philosophen? Primitiv seien sie, auf Instinkte, Konsum und Überleben fixiert. Selbst der Philosoph Giorgio Agamben meint noch in seinem Essay «Das Offene. Der Mensch und das Tier» von 2003, der Mensch müsse erst das animalische Restrisiko...