Aaron S. Watkin: «La Bayadère»
Kein Wunder, wenn Solor am Ende nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. Gerade noch hat er Nikija am Heiligen Feuer ewige Liebe geschworen, da findet er sich als Verlobter an der Seite von Hamsatti wieder, der Tochter des Radschas. Obwohl «der edelste Krieger des Landes», ist er nicht der Mutigste. Andere nehmen ihm die Entscheidung ab. Erst als Jirí Bubenícek zur Opiumpfeife greift, fasst er sich ein Herz. In seinem Traum wächst er weit über sich hinaus, ist nicht länger der Befehlsempfänger, der er bisher war.
Nicht von Meuchelmördern, nicht von den Assassinen handelt bekanntlich «La Bayadère – Die Tempeltänzerin». Es sind die Seelen bereits Gestorbener, die sich in einer der schönsten Szenen der Ballettgeschichte in einen schier endlosen Zug weißer Schatten einreihen. Das ist auch an der Semperoper nicht anders. Auf Petipas Spuren wandelnd, präsentiert sie Aaron S. Watkin so poetisch, wie man das von seinem 24-köpfigen Ballettensemble erwarten darf. Eine Tänzerin nach der anderen tritt aus dem Dschungel heraus, der im Hintergrund die Bühne Arne Walthers überwuchert. Eine Arabesque penchée entwickelt sich folgerichig aus der vorigen: ein choreografisches Kontinuum, das in der ...
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Plötzlich stehen die Tänzerinnen in Flamenco-Schuhen wie Ballerinen auf Spitze, verfallen kurz in laszive Cha-Cha-Cha-Hüftschwünge, brechen strenge Farrucca-Figuren in akkurater Riege durch Sprünge und rasante Pirouetten aus dem Modern Dance. Unorthodox und kosmopolitisch wie ihre Choreografin Lizt Alfonso, kombinieren sie in der Zwiesprache mit den Rhythmen der...
«Manchmal werde ich eingeladen, den Studenten zu erzählen, wie das damals war, in den 1980ern», sagt Alain Platel. 1984 gründete er in Gent das Choreografen-Kollektiv Les Ballets C. de la B.: «Seit man mich nur deshalb fragt, weiß ich, dass ich Geschichte bin.» (Seite 54). Seine kaum jüngere Kollegin Anne Teresa De Keersmaeker gründete 1983 die Kompanie Rosas und...
Germaine Acogny gilt als die Ikone des afrikanischen Tanzes, eine Choreografin, Bewahrerin der Tradition und Visionärin ihrer Verlängerung ins Zeitgenössische. Die Ex-Direktorin von Mudra Afrique ist heute Leiterin der größten, wichtigsten und professionellsten Tanzschule des Kontinents. Die École des Sables wurde ihr Lebenstraum – und ein Traum für alle, die dort...
