vertikal
Genau besehen, gilt im Ballett nur eine Richtung: nach vorn, im Idealfall mit der Illusion einer Kunstpause ganz oben. Der vergötterte Nurejew erweckte im Grand Jeté den Eindruck, in der Luft zu verharren. Stillstand als Gipfel der Perfektion! Schon das Übereinanderschlagen der Fußknöchel zur Batterie wirkt dagegen nie, als würde die Schwerkraft wirklich auf die Probe gestellt. Das Tor zum Himmel wird nur selten aufgestoßen. Hüpfer, Sprünge und Vertikalität im Tanz waren seit Ludwig XIV. allein Gott und dem Kosmos gewidmet.
Der zeitgenössische Tanz, so dachten wir, ist da wesentlich freier, hat er doch dem Kampf um die Lufthoheit von Anfang an abgeschworen. Hier darf es seitwärts oder rückwärts gehen, wenn nicht gar im Zickzack, wenn nicht gar in die Anti-Ballett-Richtung schlechthin: nach unten! Ausnahmen bilden gewisse Perioden des Schaffens von Anne Teresa De Keersmaeker oder William Forsythe, die wiederum dem Ballett nahe stehen. Ansonsten wird entweder waagerecht in Bodennähe gehechtet wie bei Wim Vandekeybus, oder man hoppelt auf der Stelle, wie im Extrembeispiel «Les Sisyphe X 10» von Julie Nioche, einer Dauerhüpf-Performance für jugendliche Amateure. Die ...
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Tanz Januar 2014
Rubrik: praxis, Seite 68
von Thomas Hahn
Robert Tewsley, man könnte den Eindruck gewinnen, als hätten Sie Ihre Tänzer-Karriere sorgfältig geplant – die Stationen sind eindrucksvoll: Ausbildung an der Royal Ballet School, Solist beim Kanadischen Nationalballett, danach in Stuttgart, London und schließlich beim New York City Ballet, bevor Sie freischaffend wurden.
Wenn ich auf die letzten 24 Jahre...
__________________nurejews salon
Russische Geschäftsleute, die mit Limousinen, Yachten und Palästen protzen, können sich als Gefangene des Neureichen-Syndroms auf einen berühmten Landsmann berufen. Rudolf Nurejew scheffelte Millionen. Nur hielt er keine Anteile an Scheinfirmen und zahlte keine Schmiergelder. Er tanzte, und das an etwa 250 Abenden im Jahr....
In Bayern hat, wenn man so will, alles einen doppelten Boden. Oder zumindest viel Interpretationsspielraum. So gehört es offiziell zu den Aufgaben des Kunstministers, den Intendanten eines staatlichen Theaters und den Direktor einer staatlichen Kunstsparte zu bestallen. Wolfgang Heubisch hatte, relativ neu im Amt, den Vertrag Ivan Liškas als Direktor des...
