Rituale: Eric Gauthier
Einen Talisman habe ich nicht – aber etwas viel Besseres: «the circle»! Seit es Gauthier Dance gibt, stelle ich mich vor jeder Aufführung mit meinen Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne im Kreis auf. Wir fassen uns um die Schultern, stecken die Köpfe zusammen, strecken ein Bein in die Mitte, bis wir uns treffen – und genießen gemeinsam diesen Moment der Ruhe. In der Hektik vor der Vorstellung ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Aber im «circle» kommen wir zusammen, fokussieren uns und spüren, wie die Energie weiterwandert.
Danach spreche ich immer ein paar motivierende Worte. Jeden Abend etwas anderes, passend zur Situation und der Stadt, in der wir auftreten. Oder ich wünsche Glück, wenn eine Rollenpremiere ansteht oder wenn jemand nach einer Verletzungspause zum ersten Mal wieder tanzt. Am Schluss nimmt jeder jeden kurz in den Arm. Dann sind wir bereit. Showtime!
Eric Gauthier leitet seine eigene Company Gauthier Dance unter dem Dach des Stuttgarter Theaterhauses
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 19
von
Bei Jan Casier springt das Besondere einer Bühnenfigur sofort ins Auge. Vergleichbar einem weichen Handschuh kehrt der belgische Tänzer das Innere einer Figur nach außen und lässt den Zuschauer am Offenbarten teilhaben. Diese Begabung prägt die Rollen, die er tanzt, auf unverwechselbare Art und Weise. Es war im Oktober 2013, in Christian Spucks Ballett «Woyzeck» am...
Spätestens seit der Ära der Ballets russes saugt der Bühnentanz neue Einflüsse auf und revitalisiert sich dadurch selbst. Waren es erst die emotionale Tiefenbohrung des Ausdruckstanzes, dann Spielarten modernen und zeitgenössischen Tanzes, die durch -ihre größere Freiheit im Umgang mit dem Körper auch den Bühnentanz in ein erweitertes Aussagespektrum drängten, so...
Da hat eine ihr Thema gefunden. Da bohrt sich eine Choreografin unerbittlich zu den Tiefenschichten ihres Bewusstseins durch, spürt ihren Traumata nach oder auch nur den leichten Irritationen, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle für Unbehagen in ihrem Leben sorgen. Reut Shemesh, 1982 in Tel Aviv geboren und aufgewachsen in einer Familie, in der die eine Hälfte...
