freiburg: jochen roller
Folklore, so sie nicht gerade aus Lemi Ponifasios Südsee-Atelier kommt, hat ein Image-Problem. Wer bekennt sich (abseits des Oktoberfest-Rauschs) schon freiwillig zu Lodenzwirn, zu Lederbux oder Dirndl? Wer drückt sich ohne Not einen Schwarzwaldhut mit tennisballgroßen Filzpuscheln aufs Haupt? Und wer kann den Anblick wadelpatschender Bajuwaren ertragen, ohne dabei an Loriots «Jodeldiplom» zu denken? Bislang galt als ausgemacht: Germanias Sitten sind was für Heimatforscher und Hobbyethnologen, die Tänze der Altvorderen nichts als Peinlichkeiten auf zwei, vier, sechs … Beinen.
Die DDR hielt das Brauchtum zwar in Ehren, aber diese Tradition hat Jochen Roller – Geburtsort: West-Berlin – knapp verpasst.
Trotzdem ist sein «Trachtenbummler» die zarteste Versuchung, seit es lila Almkühe gibt: Gut 60 Minuten lang kreuzen der Choreograf und seine fünf Mitstreiter durch deutsche Volkskunst-Gefilde, um hin und wieder einen Nachbarschafts-Abstecher einzulegen. Vom Schuhplattler über den «Schwarzwälder Fasnachtstanz» bis zum «Vorarlberger Ländler» ackern sie sich durch ein Repertoire, das die Hochkultur einst keineswegs verschmähte. Schließlich fackelte so gut wie jedes Ballettdivertissement ...
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Tanz Oktober 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Dorion Weickmann
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