Nach Cranko
Noch bevor das Ballett richtig beginnt, stellt Christian Spuck klar, was er mit seinem «Sandmann» will: keine «Coppélia» à la Cranko, sondern Hoffmanns Erzählung, zur Gänze getanzt. Wie im literarischen Original sieht sich Nathanael mit seiner Kindheit konfrontiert. Und diese Fixierung auf die frühe Jugend ist es letztlich, die sein weiteres Los bestimmt. Er kommt aus ihr nicht frei. Wie eine Wahnvorstellung bricht immer wieder die Erinnerung über ihn herein.
Ängste steigen hoch, Albträume, Assoziationen – und vor Schreck erstarrt erlebt er als kleiner Junge, am elterlichen Tisch sitzend, visionär eine verletzende Vergangenheit.
Eine Szene, wie einer Zeichnung Kafkas nachempfunden. Spuck schiebt sie als Rückblende ein und macht so «Das Unheimliche» manifest, von dem Sigmund Freud in Anlehnung an das Nachtstück von E. T. A. Hoffmann im gleichnamigen Aufsatz spricht. Gleichzeitig schafft er sich die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Bewusstseinsebenen virtuos hin- und herzuschalten und erzeugt so eine Wechselspannung, die das Ballett elektrisiert: Voller Hoffnung an der Seite seiner schönen Verlobten, verliert sich Nathanael wieder in der eigenen Kindheit: Denn wer ist dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Serge Prokofjews «Cinderella» im Bolshoi glänzt in internationaler Besetzung mit dem Choreografen des San Francisco Ballet, Yuri Possokhov, dem Opernregisseur Yuri Borissov, dem deutschen Architekten und Bühnenbildner Hans-Dieter Schaal, der amerikanische Kostümbildnerin Sandra Woodall und dem musikalischen Leiter des Bolshoi, Alexandr Vedernikov. Jeder hat seine...
The dance city St. Petersburg today, at the end of the 2005/2006 season, finds itself on the brink of changes that may lead to a completely unknown future, and, unfortunately, another huge wave of ballet emigration. The first wave, and the first 20th century Russian ballet revolution, happened around 1909, with the birth of Diaghilev’s Ballets Russes. The second...
Das Stück ist gelaufen, der Applaus verklungen. Aber der Tänzer von Régine Chopinot muss noch mal raus. Nicht zum Abbauen, sondern weil sein Schatten noch mal Gassi geht, im Gegenlicht einer Neonwand. Der Tänzer wird zum Scherenschnitt, zum Zerberus, sechsarmigen Monster, den die Hunde zerfleischen. Endzeitstimmung. Silhouetten huschen über die Bühne wie...
