Stefan Hilterhaus
Man hat einen Plan. Man reflektiert Fragestellungen, erwartet Resultate. Aber: «Das Grundproblem besteht darin, dass man nicht genau weiß, was man nicht weiß.» Das sagt eine Koryphäe des Ergründens und Fragens, der Molekularbiologe und Wissenschaftshis-toriker Hans-Jörg Rheinberger. Und weiter: «Was wirklich neu ist, ist definitionsgemäß nicht vorhersehbar, es kann also auch nur begrenzt herbeigeführt werden.» Man hat einen Plan. Man will mit Stefan Hilterhaus über seine kulturpolitischen Strategien sprechen.
Man formuliert Fragen, erwartet Selbstreflexion, Anekdoten, vielleicht gar eine Art fingiertes Coaching zum Umgang mit Geldgebern. Und dann guckt das Gegenüber sanft-genervt und sagt: «Ich bin ja immer sehr zweifelnd, was Tipps und Rezepte anbelangt.» Sagt: «Es gibt keine Strategie, jedes Gespräch hängt von spezifischen Konstellationen ab.» Sagt: «Statt ausschließlich über Auslastungszahlen und Erfolgsquoten rede ich mit Politikern zum Beispiel über Rheinberger: Also über Experimentalsysteme und die Erkenntnis aus der Wissenschaftsgeschichte, dass keine einzige große Entdeckung gemacht wurde durch eine Vorannahme. Vorannahmen helfen nur dabei, Dinge zu optimieren, aber nicht, ...
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Tanz März 2018
Rubrik: Tanzplattform, Seite 10
von Nicole Strecke
Wer diesen Redner eigentlich eingeladen hatte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. War es Organisator Alfred Schlee, Fritz Böhme oder doch Rudolf von Laban selbst? Für viele der Anwesenden stellte das Auftreten dieses im französischen Exil lebenden russischen Ballett-ästhetikers beim 1. Deutschen Tänzerkongress 1927 in Magdeburg jedenfalls eine Provokation...
Sobald die drei Männer ihre Stimme finden und brüllen, hört das Stück auf. Noch vor der Sprache, der Philosophie, der Politik. «Momentum» von CocoonDance, dem Bonner Ensemble der Choreografin Rafaële Giovanola (s. Seite 61) und des Dramaturgen Rainald -Endraß, ist verkörperte Physik, im Sinn von «Impuls» oder «Schwung». Gerade so bohrt es sich auch mit dem Tanz in...
Screening
Die Flammen von Paris
Es war schon fast am Ende seiner Tage auf dem Chefsessel des Bolschoi-Balletts, als Alexei Ratmansky 2008 «Die Flammen von Paris» herausbrachte – ursprünglich 1932 von Wasili Wainonen für das damalige Kirow-Ballett choreografiert. Immerhin hat der Stoff alles, was den Sowjets gelegen kam: französisches Revolutionspathos mit zartem...
