Meg Stuart zeigt «Blessed»
Regen, strömender Regen, Dauerregen auf der Bühne. Durch seine zerstörerische Wucht aus dem Bühnenhimmel knickt erst die aus Pappe geschnitzte Palme, dann sackt der aus Pappe gebaute Riesenschwan in sich zusammen. Zum Schluss gibt auch der einzige Schutz, eine Bushaltestelle aus Pappe, unter der Last des Regens nach. Sie begräbt den portugiesischen Tänzer Francisco Camacho, der noch vor wenigen Minuten die Palme bewunderte und den Schwan herzte und wie ein junger Nijinsky in Zeitlupe und in Badelatschen durch sein Paradies tanzte.
Jetzt ist er unter einstürzenden Provisorien begraben, der arme Tropf. In Echtzeit, durch die allmähliche Wirkung des Wassers, lösen sich die Insignien des Südens, des Balletts und des Schutzstands auf. Vom Exotismus blieb nur El Nino. Das, was uns schützen soll vor Tsunamis, Tornados, tauende Gletscher und Pole, hält nicht stand. Die in ihre Einzelteile zerfallenden Werke der Installations-Künstlerin Doris Dziersk zerreibt der Dauerregen, wie zuletzt ganz Bolivien in den Fluten versank. Man denkt an so was, weil Camacho, der unter immer kleineren Pappfetzen immer sinnloser nach Unterschlupf sucht, sich eine Maske aufsetzt, mit rotem Bart und bunten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Frau klammert sich an eine Tischkante, mobilisiert alle Kräfte. Jede Sekunde scheint eine Ewigkeit. Sie reißt den Tisch hoch, baumelt daran wie an einer Felsklippe, stürzt ab. Für den Betrachter blitzen unzählige Bilder aus allen möglichen Geschichten und Genres im Kopf auf. Action, Katastrophen, Reality. Im nächsten Augenblick eine ungeheure Soundexplosion,...
Es war einmal, lang her, Juli 1981 im italienischen Polverigi: Geburtsstunde der europäischen Netzwerker, des Informal European Theatre Meeting (IETM), das sich seit 2005 das «International network for contemporary performing arts» nennt. Bei Wein und Spaghetti beschloss man im Garten der Villa di Polverigi, eine Lobby «für» talentierte Künstler zu gründen, die...
Hungarian choreographer Attila Kun has been riding a bumpy road lately which every now and then throws up quite a stumbling block. He nevertheless managed to direct his energies at the stage for his work “Mindegy” (Hungarian for “Whatever …”), performed earlier this year at Budapest’s Trafó House of Contemporary Art. “Whatever …” demonstrated some of the cleanest,...
