porto_on tour
«Ein jegliches hat seine Zeit. Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit. Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit.» Diese Prediger-Worte aus dem Alten Testament meint man durch Raimund Hoghes neues Werk «Quartet» wehen zu hören. Doch was er gemeinsam mit seinen sechs Mitstreitern bei der Premiere im Tanzhaus NRW ausbreitet, ist zugleich sehr gegenwärtig.
Zu Beginn verteilt Hoghe, auf Absätzen stöckelnd, Bällchen auf der Bühne. Er wirft sie zur Seite und hinter sich wie ein achtloser Sämann. Jemand, der Schicksal spielt. Ornella Balestra sammelt sie auf, schweren Schrittes; sie fallen ihr aus der Hand, sie wird hektischer. Eine Sisyphos-Arbeit. Irgendwann gibt sie das Zusammenraffen auf. Lässt los. Es ist einer dieser Momente, der aussieht wie ein «Ach»: zwischen Erstaunen und Abdrehen, Begrüßen und Abschied. Hoghe ist ein Meister dieser hauchzart gewebten Regungen.
Er legt wieder eine Menge Platten aus seiner Sammlung auf. Instrumentale Musiken, Romantik, Streicher, darunter Quartette von Franz Schubert und Luigi ...
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Tanz Mai 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 50
von Melanie Suchy
Statt zu jammern, ruft es laut aus dem Theater Hagen in die Welt: «Ballett? Rock it!». Seit Jahren kämpfen das Haus und insbesondere die Tanzsparte in der Stadt zwischen Wuppertal und Dortmund ums Überleben. Am Publikumszuspruch kann’s nicht liegen. Der Saal ist voll, alle paar Minuten gibt’s Szenenapplaus, am Ende stehen alle vor Begeisterung. Ballettdirektor...
Das Büro von Jean-Christophe Maillot ist schneeweiß, allein die Bücher in den Wandregalen setzen ein paar Farbtupfer. Der Chef der Ballets de Monte Carlo sitzt hinter dem Schreibtisch und versucht, die Langzeitfolgen seines Bolshoi-Abenteuers «Der Widerspenstigen Zähmung» (tanz 10/14) auszukurieren, das ihm einen gebrochenen Fuß eintrug – «weil ich die Anstrengung...
Es ist nur ein winziger Augenblick, der Wimpernschlag einer Bewegung, und doch ändert die Art, wie die Frau ihre Hand flehentlich nach dem Mann ausstreckt, einfach alles: die Beziehung des Paars, die Temperatur des Stücks, den Blick des Zuschauers auf die Szene. Wer Aurélie Dupont in Jerome Robbins‘ Liebestriptychon «In the Night» gesehen hat, weiß, warum die...
