«Giselle ou les wilis»

Über die Entdeckung eines Manuskripts.

Tanz - Logo

Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde. Nicht schlimm, denn das passierte schon während der Entstehung des Balletts.

Bei Albrecht sollte es sich ursprünglich um einen fiktiven Herzog Albrecht von Schlesien handeln, der in ersten Entwürfen von Théophile Gautier aus welchen Gründen auch immer in Thüringen lebt, irgendwo im «Slawischen», jedenfalls von Paris aus gesehen jenseits der Rheingrenze.

Dabei gilt der Rhein selbst als Urort der Romantik, so wie ihn Heinrich Heine beschrieb: Das Dorf der Giselle liegt darum bald nicht mehr hinter den Bergen, sondern am Mittelrhein unweit der Loreley, wo die Wilis, diese weiblichen Untoten, nachts Jagd auf die Männer machen. Loreley? Sie ähnelt verblüffend den berühmten Sirenen bei Odysseus und Orpheus. So wird der Sangesmythos in einen Tanzmythos umgetopft, in einem neuerlichen Original, von dem keiner recht weiß, wo man es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 70
von Henri Justamant

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kalter Krieg

Dass namhafte Ballettkompanien auf internationale Tourneen gehen, ist heute vorrangig ökonomisch motiviert. Freizügigkeit, die notwendige Voraussetzung, wenn wie jüngst das englische Royal Ballet nach Kuba reisen kann, erscheint als eine Selbstverständlichkeit. Unterwegs verströmen die reisenden Künstler zwar die warme Botschaft der Völkerverständigung beim...

Madrid

Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen, bei den größten spanischen Festivals einige wahrhaft inspirierende junge Tänzer und Choreografen zu sehen. In Madrid beim Escena Contemporanea Festival 2008 trat die Cía de Dança Membros auf, eine herausragende Gruppe junger Männer aus Macae, Brasilien, die in «Raio X» HipHop und zeitgenössischen Tanz zu einer brutalen Kritik an...

Wanda Golonka

Wanda Golonka hat zum Abschluss ihrer acht Jahre als Hausregisseurin bei Elisabeth Schweeger am Schauspiel Frankfurt Peter Handkes Stumm-Stück «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» inszeniert. Wieder arbeitete sie mit Schauspielern und nicht mit Tänzern. Und sie hat uns nach einer Reihe überraschender Inszenierungen wieder gezeigt, dass sie ein Ensemble...