Düsseldorf: Raimund Hoghe «Canzone per Ornella»
Die einstige Ballerina in Maurice Béjarts Kompanie, Ornella Balestra, steht hinter dem kleinen, buckligen, krumm ins Leben gebauten Raimund Hoghe, führt seine Hände wie die einer Puppe und greift mit ihm zum Mond und zu den Sternen. «La luna», sagt sie leise, und «le stelle», und während eines kurzen, unendlichen Moments, dem Höhepunkt dieser ungemein behutsamen Hommage, ist tatsächlich mit Hilfe des Kosmos die Zeit angehalten, zurückgedreht, unschädlich gemacht.
Aber eben nur für einen Moment, denn die vergehende Zeit behauptet sich beständig als Kernthema dieser «Canzone per Ornella».
Schlager der Vergangenheit werden eingespielt: «J’attendrai» von Rina Ketty, «Avec le temps» in Dalidas Interpretation oder «Just a Gigolo» mit der emblematischen Aussage «Life is going on without me». Der einstige Dramaturg an Pina Bauschs Wuppertaler Tanztheater, der Choreograf, Biograf und Historiograf Raimund Hoghe, tritt selbst, mal als Conférencier, mal als leicht diabolischer Hausgeist in Erscheinung. Immer gleicher Gesichtsausdruck, eine autonome Instanz.
Hoghe weist die Richtung für das enzyklopädische Bewegungsrepertoire, das Ornella Balestra absolviert: So wenn die schlanke Tänzerin, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2018
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Eberhard Spreng
Längst hat sich der Sommer verabschiedet. Wie in Eiseskälte erstarrt, verharren die Tänzer auf der Bühne des Zürcher Opernhauses, als ob sie eines Toten gedächten. Nur Neonlicht. Nackte Betonwände ringsum. Nichts Wärmendes, nirgends. Selbst die Musik scheint zu frösteln. Die Klänge klirren, als Mauro Peter hinabsteigt in den nicht gar so tiefen Orchestergraben, um...
Egal, wo man das Buch aufschlägt: Die Lektüre verspricht, spannend zu werden. Seite 116 beispielsweise, ein eher beiläufiges Thema. Da wird erklärt, dass sich beim Sitzen unsere Beckenschalen nach vorne verbiegen. Das wiederum drückt direkt auf die Wirbelsäule und verursacht letztlich Rückenschmerzen. Julia F. Christensen und Dong-Seon Chang wissen Rat: «Wenn Sie...
Ein Bahnsteig. Eine Ballerina. Sie steht auf Spitze, leicht gestützt auf eine Bank, schaut entrückt aus dem Bild. Auf der Bank sitzt teilnahmslos eine Dame mit Gepäck. Die Ballerina scheint unsichtbar. «Es ist früh am Morgen in Ost-Berlin», sagt Ute Mahler, eine der interessantesten Fotografinnen der letzten vierzig Jahre – stilprägend und sozial engagiert.
Diese...
