václav kunesˇ
Er ist ohne Zweifel geprägt von seiner Zeit als Tänzer des Nederlands Dans Theater 1 und als Assistent Jirˇí Kyliáns. Aber auch aus seiner Zeit bei Saburo Teshigawara finden sich Spuren in seinen raffinierten Pas de deux mit seiner Partnerin Nataša Novotná. Die strotzen nur so vor Leichtigkeit, psychologischer Wahrheit und der Freiheit, mit sich selbst, dem eigenen tänzerischen Vokabular, der dargestellten Beziehung ironisch und spielerisch umzugehen, in traumwandlerischer Sicherheit, so natürlich wie ein Atemzug oder ein Herzschlag.
Immer wieder schaffen sie es, eine Illusion von Schwerelosigkeit zu vermitteln. In immer neuen, unvorhersehbaren Wendungen verleihen sie ihrer Beziehung eine Authentizität, die sie jenseits aller Fragen nach choreografischen Kategorien katapultiert. Dies ist wohl die lebendigste Synthese aus klassischer Technik und zeitgenössischem Denken, die überhaupt zu erzielen ist. Da können sie auf Verfremdungseffekte setzen, die ihre Figuren nur umso authentischer erlebbar machen und die so auch nie zur Illustration oder zur Mime greifen müssen, um vor dem Auge des Zuschauers konkrete Situationen zum Leben zu erwecken. Tiefste Recherche erscheint wie purer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 146
von Thomas Kuhn
Jared Gradinger und Angela Schubot stehen sich gegenüber und schließen die Augen. Bis zum Ende ihrer knapp einstündigen Tanzperformance «is maybe» im Juni im Berliner HAU werden sie sie nicht öffnen. Eyes wide shut. Kein Blick fällt auf den anderen. Denn Blicke schaffen Distanz. Die beiden sehnen sich nach grenzenloser Nähe. «is maybe» kreist um den Wunsch, vom...
Wer Michael Douglas sehen will, geht ins Kino. Wer das MichaelDouglas Kollektiv sehen will, geht nach Köln. Dort haben sich 2009 die beiden Tänzer Michael Maurissens und Douglas Bateman niedergelassen, um nach dem Aus von Amanda Millers pretty ugly dance köln eine neue Existenz zu gründen. Professionell und pfiffig ist das Ensemble, dem sich auch weitere ehemalige...
Die Stuttgarter Tanzszene ist ein starres Gefüge. Sie tut sich schwer im Schatten des Stuttgarter Balletts, der mit Eric Gauthiers Kompanie inzwischen bis ins Theaterhaus reicht. Die Nischen und Namen der freien Szene sind vertraut. So wirkte das Auftauchen von Nicki Liszta wie in einem Western, wenn ein Fremder durch die Saloontür tritt und den Colt auf den...
