Deborah Colker
Die Brasilianerin nähert sich zwar den Best-Ager-Jahren. Aber ihr Tanztheater ist so sportiv und trendy, dass es jüngere Konkurrenten mitunter locker abhängt. So hat die Choreografin mit akrobatischen Kunststückchen experimentiert, als die übrige Szene das Zirkusgewerbe noch für einen schmuddeligen, scheintoten Nachbarn hielt. «Rota», 1997 für Colkers Companhia de dança entstanden, wickelt Tänzer um ein meterhohes Hamsterrad und lässt sie in allerschönster Artistenmanier durch die Luft reiten. Die sportliche Note ist Colkers Markenzeichen.
Immerhin sieben Jahre lang hat die studierte Psychologin Volleybälle übers Netz geschoben, ehe sie sich in den 1980er Jahren endgültig fürs Tanzen entschied. Seit 1993 betreibt Colker in Rio de Janeiro ein eigenes Studio, das der Staatskonzern Petrobras mit Öl-Dollars alimentiert, was der Chefin mal lautere, mal leisere Kritik eingetragen hat. Gleichwohl gastiert sie seitdem mit ihrer Truppe rund um den Globus, zuletzt beim Wolfsburger Movimentos-Festival. «Cruel» dort ist eine eineinhalbstündige Beziehungs-Anamnese, die das Paarungsverhalten, die Familienfesseln und den ganz gewöhnlichen Ego-Trip des narzisstischen Zeitalters in symptomatische ...
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