Foto: Manja Herrmann

Birgit Freitag

30 Tanzkünstler mit den besten Aussichten

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«Und, ‘ne Pizza?!» – rhetorische Frage zwischen zwei Männern nach dem Sport. Der kleine, aber feine Unterschied: Mika ist elf Jahre alt und noch Schüler, Walter zweiunddreißig und schon Schauspieler. Hinter ihnen liegt kein schweißtreibendes Badmintonspiel, sondern Birgit­ Freitags erste abendfüllende Tanzproduktion für JUNGES.THEATERBREMEN namens «Eins zu Eins». Und die lässt hoffen.

Denn die freie Choreografin – Studium: Sozialwesen – hat nicht nur ein feines Gespür für Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch für Authentizität: Mika und Walter agieren so unbekümmert auf der Bühne, als gäbe es keine Zuschauer.

Dass beide tanzen, obwohl sie keine Tänzer sind, unterstreicht Freitags unaufdringlichen Stil, wirkt dabei aber keineswegs dilettantisch. Mit einer sorgfältigen Kalibrierung von Bewegungsfolgen, Musik, Dialogen und Bühnenbild sowie der nötigen Portion Verzauberungskraft entsteht ein rundum gelungenes Stück Tanz, das das Besondere im Alltäglichen zu beleuchten vermag. Wenn Mika und Walter ihre Träume austauschen oder den zunächst als Teppich arrangierten Bühnensand um die Wette robbend als Strand bespielen, um sich darauf zur Krönung des Tages zuhause verschwitzt und zufrieden Pink Floyds Album «Wish You Were Here» auf den Plattenteller zu legen, dann ist klar: Echte Freundschaft verleiht Flügel, die körperlich zeitlos machen. Birgit Freitag tanzte bei David Zambrano und anderen zeitgenössischen Choreografen. Im Jahr 2000 gründete sie das Label «every friday | dance production» für spartenübergreifende Projekte. Seit 2009 choreografiert sie Soli und Duette für Bremer Bürger. Ihr künstlerisches Genre bewegt sich zwischen Bewegungs-Porträt und biografischer Fiktion.



Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 174
von Christine Matschke

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