Leipzig: «Johannes-Passion»
Ein Wortgefecht? Die Aufführung hat noch nicht begonnen, da hört man von fern Männerstimmen, als gäbe es draußen irgendwo einen Streit. Man muss schon die Ohren spitzen, bevor man begreift: Nein, das sind keine Kampfparolen, die ins Innere des Opernhauses schallen, sondern Gebete, mal hebräisch gesprochen, mal arabisch, die sich wie in einer Collage überlagern – und plötzlich ist man mittendrin in der Geschichte, die uns Apostel Johannes in seinem Evangelium erzählt, ohne dass man deswegen das Hier und Heute verdrängen muss. Ganz im Gegenteil.
Die «Johannes-Passion» von Johann Sebastian Bach, von Mario Schröder als Ballett auf der Bühne der Oper Leipzig vorgestellt: keine Pflichtübung, termingerecht noch im Reformationsjahr 2017 uraufgeführt, sondern eine bekenntnishafte Choreografie, die der komplexen Komposition ebenso gerecht werden will wie der Vielschichtigkeit biblischer Überlieferung. Dazu passend: ein «Erzähler», der ebenso von Yan Leiva wie von Anna Jo verkörpert wird. Der Choreograf hat die Rolle gedoppelt, und doch wirken Mann und Frau aller Gegenläufigkeit zum Trotz wie eins. Beide erstarren am Schluss, auch weil sie Schröder nicht ohne Grund im Regen stehen lässt. ...
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Tanz März 2018
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Hartmut Regitz
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