amsterdam: «we’re pretty fuckin’ far from okay»
«fight, flight or freeze»: Es gibt Vorstellungen, da würde man vom Sitz aus am liebsten zurückbrüllen, flüchten oder einfach nur erstarren. Was die Wissenschaft als unwillkürlichen Schrecken beschreibt – dass Säugetiere bei Gefahr mit Angriff, Abhauen oder Angststarre reagieren – gilt im Theater genauso: Protest, Türenschlagen, gottergebenes Durchleiden. Wie oft im Leben hat man sich schon für Letzteres entschieden? Nur würden wir dieses Vegetieren vor schlechter Kunst niemals Furcht, nur fürchterlich nennen.
Hat also der vom Theater erzeugte Fluchtinstinkt etwas zu tun mit Panik und Angst?
Wenn Lisbeth Gruwez und Nicolas Vladyslav auf zwei Stühlen unter trüben Scheinwerfern erwachen, beruhigt ein Déjà-vu: Nichts weiter passiert, wie so oft auf unseren Bühnen. Es ist das Nichts aus dem Absurden Theater. Die beiden sitzen und tanzen ein schweres Atmen. Ein. Aus. Auch das beruhigt, denn es erinnert an Atemübungen aus dem Yogakurs. Was dann aber geschieht, eine Choreografie des Herzrasens, der Schweißausbrüche und Abwehrgesten, ein Tanz des sich schützend vor die Brust schwingenden rechten Arms, der fahrig in den Nacken greifenden Hände, der über die Schenkel wischenden Fäuste, des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2016
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Arnd Wesemann
screening
von wundern und superhelden – 55 jahre stuttgarter ballett
Ein Grund zum Feiern findet sich in Stuttgart immer, und das Zwanzigjährige von Ballettintendant Reid Anderson ist ein besonders guter. Harold Woetzel hat das Jubiläum zum Anlass einer Dokumentation genommen, die nicht nur die Leitungs-Ära des Kanadiers angemessen attraktiv ins Bild setzt. Der...
im august/september: russland
Der Riese im Osten ist ziemlich ins Wanken geraten. Die Wirtschaft stockt, der Rubel rollt nicht mehr so ohne Weiteres, nur Vladimir Putin scheint fest im Sattel zu sitzen. So fest wie sein Namensvetter, der Generaldirektor des Bolshoi, Vladimir Urin. Der hat Sergei Filin abserviert und Makhar Vaziev aus Mailand geholt, um das Ballett...
Schon mehrfach hatte John Neumeier, Ballettintendant und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, angeregt, Olivier Messiaens «Turangalîla-Sinfonie» als Ballett auf die Bühne zu bringen. Bisher hatten die Erben – dem Wunsch des Komponisten entsprechend – eine Tanzproduktion mit diesem Werk ausgeschlossen. 1968 nämlich hatte Roland Petit das Werk in Paris choreografiert...
