Pol Pi «Ecce (H)omo»

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Tanz und Tanzgeschichte waren einmal zwei getrennte Felder. Heute gehören sie zusammen. Immer mehr junge Choreografen interessieren sich für historische Stücke und Persönlichkeiten. Pol Pi ist so einer. Oder so eine. Denn mit ihr/ihm steht gleichzeitig auch die Gender-Debatte auf der Bühne. Es war einmal Paul. Dann Paul/a. Nun Pol, ganz Gender-neutral. Paul/a bzw. Pol macht Stücke, die Geschlechterrollen sprengen. Mal schrill, mal subtil. Wie «Ecce (H)omo».

2018 entdeckte er-sie-es im heimatlichen Brasilien Dore Hoyers Tänze im TV und begann, sie sich per Video-Studium selbst anzueignen. Dore Hoyer (1911 – 1967) war eine Schlüsselfigur des Ausdruckstanzes. 1962 schuf sie mit «Afectos humanos» einen Zyklus kurzer Soli – -Eitelkeit, Begierde, Hass, Angst und Liebe – im Miniaturformat. Ihre einstige Vertraute, die Tanzpädagogin Waltraud Luley (1915 – 2011), überlieferte «Afectos humanos» 1999 an den Berliner Choreografen Martin Nachbar, der nun wiederum Pol Pi dabei half, sich Hoyers Zyklus anzueignen. 

Das Ergebnis ist keine reine Rekonstruktion mehr, sondern eine ganz persönliche Lesart. Und so ändert sich auch der Titel. «Ecce (H)omo» heißt Pol Pis Stück, in dem der historische ...

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Tanz August/September 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 56
von Thomas Hahn

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